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Windows 8 Test: Boot-Leistung

Über die verbesserte Startmethode von Windows 8 gibt es zahlreiche Meldungen und technische Erläuterungen, siehe dazu auch Boot-Beschleunigung und Hybrides Booten in diesem Blog. Gefühlt hat Microsoft die Startgeschwindigkeit von Windows 8 gegenüber Windows 7 und gar Vista erheblich beschleunigt. Ich habe gemessen und kann den gefühlten Fortschritt nun auch mit Zahlen belegen. Folgende Kaltstartzeiten ergeben sich auf demselben (älteren) PC, wobei vom Einschalten bis zum Erscheinen des Willkommen-Bildschirms gemessen wurde:

  • BIOS plus Windows 7: 62,5 Sekunden
  • BIOS plus Windows 8: 25,5 Sekunden

Windows 8 benötigt nur noch 41 Prozent der Startzeit verglichen mit dem Vorgänger.
Noch deutlicher und gerechter wird der Vergleich, wenn die annähernd 15 Sekunden, die das ältere BIOS in jedem Fall benötigte, abgezogen wird::

  • Windows 7: 47,5 Sekunden
  • Windows 8: 10,5 Sekunden

Die reine Ladezeit des Betriebssystems beträgt also nur noch etwas mehr als ein Fünftel (22 Prozent) gegenüber Windows 7.

Übrigens: In einer Multiboot-Umgebung zeigt Windows 8 seine imponierende Startleistung nur, wenn es das zuletzt geladene System war. War vorher ein anderes Betriebssystem aktiv, zeigt Windows 8 kaum bessere Startwerte als Windows 7.

Windows 8: Secure Boot

Trotz sich stets verbessernder Viren-Erkennungssoftware hat Windows eine strukturbedingte Schwäche – den Bootprozess. Bei normalen Windows-PC wird nach dem Einschalten der interne Speicher gecheckt, dann übergibt das Bios die Kontrolle über den Boot-Prozess dem Boot-Manager, dieser lädt das Ladeprogramm für Windows, die Treiber und den Windows-Kernel. Dann startet Windows, zeigt den Anmeldebildschirm und gibt den Desktop frei. Das Problem sind Schädlinge (Bootkits oder Rootkits), die sich im Boot-Prozess einklinken, bevor Windows und somit auch die Antiviren-Software läuft.
Windows 8 sichert den Boot-Prozess mehrfach ab. UEFI-Firmware („Unified Extensible Firmware Interface“) ist in allen neueren PCs und Notebooks verbaut und kann die digitalen Signaturen der Bootprogramme prüfen. Ist die Signatur eines Bootloaders unbekannt, wird der Prozess nicht gestartet.
Secure Boot unterstützt ferner Early-launch Anti-Malware (ELAM). Dabei handelt es sich um Antiviren-Programme, die vor der Treiber-Initialisierung im Boot-Vorgang laufen.
Wenn der PC über einen TPM-Chip verfügt („Trusted Platform Module“), kann den Startvorgang über „Measured Boot“ protokolliert werden. Das Protokoll vereinfacht der Antiviren-Software die Malware-Suche.

Befürchtungen, dies könne oder solle alternative Betriebssysteme wie Linux von Windows-8-PCs fernhalten, sind nicht stichhaltig:

  1. Erstens lässt sich Windows 8 natürlich auch auf älteren Geräten ohne UEFI-Firmware installieren. UEFI-Firmware ist Voraussetzung für Secured Boot, ältere BIOS-Firmware beherrscht die Funktion nicht.
  2. Zweitens kann der PC-User die Secure-Boot-Policy in seiner UEFI-Firmware jederzeit generell deaktivieren, wenn er das möchte, oder ad hoc mal schnell deaktivieren, wenn das notwendig werden sollte, um ein alternatives System zu starten. Diese Option besteht aber nur auf PCs und Notebook, nicht auf Tablets und Smartphones mit Windows RT.

Windows 8: Boot-Manager und Win RE grafisch

Die Auswahl des Betriebssystems, sofern der PC mehrere Systeme enthält, erfolgt bis Windows 7 im reinen Textmodus mit Hilfe der Cursortasten.

Windows 8 zeigt einen neuen Boot-Manager für die Systemauswahl: Er präsentiert sich in einem schlichten grafischen Modus (Weiß auf Blau), der unter anderem die Wahl des Betriebssystems mit der Maus erlaubt. Aber auch alle bekannten Reparatur-Optionen unter dem Notfallsystem Windows RE (Windows Recovery Environment) werden in der neuen Windows-Version in diesem einfachen grafischen Look angeboten. Auswahl per Maus, Zurück-Button und knappe Hilfeinformationen gehören mit zum neuen Komfort. Das Notfallsystem Windows RE selbst bleibt das bereits von Windows 7 bekannte. Es lädt auf Wunsch einen 32-Bit-CMD-Prompt, über den sich dann wiederum beliebige Windows-Tools aufrufen lassen. Neu im Angebot sind unter Windows 8 die Reparatur-Optionen „System Refresh“ und „System Reset“.

Notfallsystem WinRE
Der Bootmanager und das Notfallsystem WinRE präsentieren sich in einem einfachen Grafikmodus.

Tipp: Die Reparatur-Optionen im neuen Outfit lassen sich auch unter dem laufenden Windows 8 anzeigen. Es genügt der Aufruf des Programms Bootim.exe .

Windows 8: Fast Boot

Wie auf der Seite „Boot-Beschleunigung“ kurz technisch beschrieben, nutzt Windows 8 eine neue Methode, um den Startvorgang – spürbar – zu verkürzen. Microsoft nennt diesen Mix aus Kaltstart und Auslesen des Ruhezustands „Hybrid Boot“. Die Funktion ist standardmäßig aktiv, lässt sich aber auf Wunsch auch ausschalten. Der User findet die Option in der Systemsteuerung in der Kategorie „Hardware und Sound, Energieoptionen, Netzschalterverhalten ändern“.
Im Folgedialog lassen sich die aktuell inaktiven Option mit dem Link „Einige einstellungen sind momentan nicht verfügbar“ scharf schalten. Unter diesen normaler Weise unzugänglichen Optionen befindet sich im selben Dialog unten auch „Schnellstart aktivieren (empfohlen)“ – hier im englischen Dialog „Enable Hybrid Boot…“:

Hybrides Booten
Option "Hybrid Boot" in der Systemsteuerung von Windows 8

Wer auf Bootgeschwindigkeit Wert legt (wer nicht?), sollte die Funktion allerdings keinesfalls deaktivieren. Ein Spezialfall ist ein Multiboot-Boot-Rechner mit mehreren Betriebssystemen. Hier kann das Deaktivieren sinnvoll werden, weil der Bootmanager von Windows 8 bei der Wahl eines anderen Systems einen obligatorischen Reboot auslöst.

siehe auch den Test Ladezeit Windows 8 gegen Windows 7

Windows 8: Boot-Beschleunigung

Windows 8 startet im Prinzip nicht schneller als Windows 7, sofern es vollständig heruntergefahren wird („shutdown /s /full“). Der Trick der tatsächlich deutlichen Boot-Beschleunigung liegt darin, dass Windows 8 nicht mehr komplett beendet wird, sondern standardmäßig in den Ruhezustand gefahren wird. Der schnellere Start resultiert folglich aus einer Mischung zwischen dem normalen Kaltstart und einem Start aus dem Ruhezustand.

Das heisst: Windows 8 benutzt beim Start immer die Inhalte der Datei Hiberfil.sys, die den Systemzustand vor dem letzten Shutdown speichert. Anders als beim „echten“ Ruhezustand speichert Windows 8 aber nur den Kernel-Zustand, nicht den des zuletzt angemeldeten Benutzers (User-Session). Nach der nächsten Anmeldung bietet Windows 8 folglich eine saubere, neue Windows-Sitzung.

Fast Boot hat einen Nachteil: Wenn Sie mehrere Betriebssysteme auf dem Rechner haben, ist Fast Boot eher eine Bremse. Es greift nur, wenn mehrere Male hintereinander dasselbe Windows 8 geladen wird. Sobald ein anderes Betriebssystem gestartet wird, muss der Bootmanager den gespeicherten Zustand von Windows 8 löschen und dann den kompletten PC neu starten. Erst dann lässt sich das andere Betriebssystem – jetzt zum zweiten Mal auswählen und tatsächlich starten. Außerdem ist der nächste Windows-8-Start verlangsamt.

Microsoft nennt diese Bootmethode von Windows 8 „Hybrid Boot“. Lesen Sie hier, wo diese standardmäßig aktivierte Option abgeschaltet werden kann.

Mehr technische Infos zur Boot-Beschleunigung im Microsoft-Blog

Test: Ladezeit Windows 8 gegen Windows 7