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Windows 8 Test: Explorer und File-Management

Microsoft hat die Fähigkeiten des Explorers als Datei-Manager (Dateien kopieren, verschieben, löschen, umbenennen) unter Windows 8 erneut auf den Prüfstand gestellt. Vorläufiges Ergebnis ist die bessere Übersicht, wenn mehrere solcher Dateiaktionen gleichzeitig laufen, weil alle betreffenden Vorgänge in einem gemeinsamen Dialog zusammengefasst werden. Zugleich gibt es eine verbesserte Kontrolle über die Vorgänge, weil der Explorer unter Windows 8 einzelne Aktionen auch pausieren und später wieder fortsetzen kann – ein deutlicher Fortschritt gegenüber dem bloßen „Abbrechen“ in den bisherigen Windows-Versionen.

Schön! Aber wird der Explorer von Windows 8 aber auch das Kopieren, Verschieben, Löschen selbst beschleunigen? Ich habe mal gleichzeitig die folgenden drei Dateiaktionen angefordert und dabei die Gesamtdauer unter Windows 7 und Windows 8 gemessen:

  • Kopieren eines großen ISO-Images von Festplatte auf ein Netzlaufwerk
  • Kopieren einer großen portablen Suite von einer internen Partition auf eine weitere
  • Löschen auf Festplatte eines großen Bilderordners mit vielen Einzeldateien

Das Ergebnis:

  • Windows 7:      7:39  (= 459 Sekunden)
  • Windows 8:     7:04  (= 424 Sekunden)

Der Explorer von Windows 8 hat also die Nase tatsächlich deutlich messbar vorne, wirklich spürbar sind aber diese annähernd 10 Prozent Beschleunigung im User-Alltag kaum. Vielleicht kann ja die endgültige Version noch etwas zulegen.

Beim Einpacken von komprimierten ZIP-Archiven zeigt sich der Explorer ebenfalls verbessert. Mein Versuchsarchiv mit etwa 20000 kleinen Dateien packt

  • Windows 7 in 131 Sekunden
  • Windows 8 in 73 Sekunden

Wichtiger wäre allerdings eine Beschleunigung beim viel zu zähen Auspacken der ZIP-Archive. Hier zeigt zeigt der neue Explorer aber keine nennenswerte Steigerung:

  • Windows 7 entpackt in 508 Sekunden
  • Windows 8 entpackt in 497 Sekunden
Windows 7 Explorer als Datei-Manager
Windows-7-Explorer als Datei-Manager: Wenn's nicht rund läuft, gibt es nur die Option "Abbrechen".
Explorer unter Windows 8; File-Management
Explorer unter Windows 8: Was zusammengehört, wird gemeinsam angezeigt, und das Pausieren erlaubt bessere Kontrolle. Spürbar schneller werden die Aktionen allerdings nicht.

Windows 8 Test: RAM-Verbrauch

Wie unter den Hardware-Voraussetzungen technisch angedeutet, arbeitet unter Windows 8 ein verbesserter Speichermanager. Microsoft’s Ziel ist es, mit dem RAM sparsamer umzugehen als Windows 7 (und dadurch nicht zuletzt auch Strom zu sparen). Was Windows 8 mit seinem Memory Combining (siehe unten), der Optimierung von Systemkomponenten und der Dienste-Reduzierung erreicht, war vor allem in der älteren Developer Preview von 2011 frappierend. In der aktuellen Consumer Preview, die der finalen Version deutlich nähersteht, ist diese Optimierung leider nicht mehr so klar ersichtlich. Windows 8 liegt demnach gleichauf mit Windows 7. Respektabel ist das trotzdem, weil Windows 8 einen erweiterten Unterbau mit einer Reihe zusätzlicher Komponenten mitbringt.

Direkt nach der Systemanmeldung ergibt sich auf dem identischen Rechner mit 2 GB RAM und vergleichbarer Treiber- und Software-Ausstattung folgendes Bild: Das Windows-7-System zeigt eine Speicherbelegung von 40 Prozent, die ältere Windows 8 Developer Preview 27 Prozent, die aktuelle Consumer Preview 40 Prozent – exakt wie Windows 7:

Windows 7, 32 Bit, 2 GB RAM, 40 Prozent
Windows 7 (32 Bit) nach der Anmeldung: 40 Prozent der zwei GB RAM sind belegt.
Windows 8, 32 Bit, 2 GB RAM, 27 Prozent belegt
Windows 8 Developer Preview (32 Bit) nach der Anmeldung: Nur 27 Prozent der zwei GB RAM sind belegt.
RAM-Verbrauch der Windows-Beta (Consumer Preview)
Windows 8 Consumer Preview (32 Bit) nach der Anmeldung: Windows 8 liegt wieder genau beim Wert von Windows 7.

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Ein genauer Vergleich, nämlich des Speicherverbrauchs einzelner Programme, zeigt zweierlei:

1. Microsoft hat Windows-Kernkomponenten wie den Explorer oder den Desktop Window Manager nochmal optimiert und deren Speicherbedarf deutlich verringert.

2. Fast alle Anwendungen, Systemprogramme und Tools profitieren vom verbesserten Speichermanagement, ungeachtet ihrer Herkunft und ihres Alters. Microsoft nennt als wichtigste Maßnahme das „Memory combining“: Viele Windows-Programme nutzen nämlich identische Windows-Bibliotheken. Folglich gibt es im Multitasking bei vielen geladenen Programmen immer redundante Kopien gleichen Inhalts im Arbeitsspeicher. Das Speichermanagement erkennt und beseitigt überflüssige Kopien, stellt aber die Speicherseiten einem Programm umgehend wieder zur Verfügung, sobald dies notwendig ist. Die Software bekommt davon nichts mit und muss auch nicht speziell angepasst werden, um hier mitspielen zu können.

Wie durchschlagend sich das „Memory Combining“ auswirkt, hängt aber offensichtlich stark davon ab, wie viele Funktionen ein Programm aus allgemeinen Windows-Bibliotheken bezieht. So hat etwa ein VLC Media Player unter Windows 8 denselben Speicherbedarf wie unter älteren Systemen, während etwa selbst-kompilierte Autohotkey-Tools, die praktisch komplett auf Windows-Funktionen basieren, unter Windows 8 nur noch die Hälfte des Speichers erfordern.

Folgendes Chart zeigt einige Systemkomponenten und populäre Programme – links der RAM-Verbrauch unter Windows 7, rechts unter Windows 8. Die Unterschiede sind nicht überall dramatisch, aber immerhin deutlich. Die beiden Betriebssysteme waren jeweils 32-Bit-Versionen und liefen auf einem PC mit 2 GB RAM.

Windows 8 Speichermanager, Programme
Der Speicherbedarf einiger exemplarischer Programme und Systembestandteil, links unter Windows 7, rechts unter Windows 8.

Windows 8 Test: Reparatur-Option „System Refresh“

Die Reparatur-Option „System Refresh“ bietet Windows 8 in der Metro-Systemsteuerung unter „General“ oder im Ernstfall als Startoption nach Drücken von Taste [F8]. Da der „System Refresh“ auf originale Installation-Dateien zurückgreift, muss die Windows-8-Setup-DVD eingelegt werden. Die Reparatur-Option gelingt aber auch mit Setup-Daten auf einem USB-Datenträger ohne Problem.
Es handelt sich um eine in unserem Versuch zuverlässige, aber relativ zeitaufwändige und zugleich radikale Systemreparatur. Sie ist nur bei wirklich gravierenden Problemen zu empfehlen. Folgende Meldung von Windows 8 vor der Aktion sollten Sie unbedingt ernst und wörtlich nehmen:

Windows 8-Reparaturoption "System Refresh"
Diese Meldung ist ernstzunehmen: Die Reparaturoption "System Refresh" räumt ziemlich ab.

Sämtliche konventionelle Programme, die nicht aus dem Microsoft Store (für Metro-Apps) stammen werden beseitigt. Leider zeigt „System Refresh“ nicht vorher, sondern erst nach erledigter Arbeit detailliert an, welche Software betroffen ist:

Windows 8: Reparaturoption "System Refresh" mit Report
Die Reparaturoption "System Refresh" zeigt nach getaner Arbeit seinen Report.

Neben der fälligen Neuinstallation der entsorgten Software ist nach „System Refresh“ mit einer Reihe weiterer Nacharbeiten zu rechnen: In unserem Test mussten die Monitore neu eingestellt werden, der Drucker neu eingerichtet werden, angepasste Elemente wie Desktop, Taskleiste und Anmeldebildschirm neu personalisiert werden. Auch Dateizuordnungen, Ordneranpassungen und viele weitere Einstellungen gehen verloren.
In der Tat nicht betroffen sind aber sämtliche Benutzerdateien, genau wie es Windows 8 vor der Aktion korrekt angekündigt hatte.

Windows 8 Test: Boot-Leistung

Über die verbesserte Startmethode von Windows 8 gibt es zahlreiche Meldungen und technische Erläuterungen, siehe dazu auch Boot-Beschleunigung und Hybrides Booten in diesem Blog. Gefühlt hat Microsoft die Startgeschwindigkeit von Windows 8 gegenüber Windows 7 und gar Vista erheblich beschleunigt. Ich habe gemessen und kann den gefühlten Fortschritt nun auch mit Zahlen belegen. Folgende Kaltstartzeiten ergeben sich auf demselben (älteren) PC, wobei vom Einschalten bis zum Erscheinen des Willkommen-Bildschirms gemessen wurde:

  • BIOS plus Windows 7: 62,5 Sekunden
  • BIOS plus Windows 8: 25,5 Sekunden

Windows 8 benötigt nur noch 41 Prozent der Startzeit verglichen mit dem Vorgänger.
Noch deutlicher und gerechter wird der Vergleich, wenn die annähernd 15 Sekunden, die das ältere BIOS in jedem Fall benötigte, abgezogen wird::

  • Windows 7: 47,5 Sekunden
  • Windows 8: 10,5 Sekunden

Die reine Ladezeit des Betriebssystems beträgt also nur noch etwas mehr als ein Fünftel (22 Prozent) gegenüber Windows 7.

Übrigens: In einer Multiboot-Umgebung zeigt Windows 8 seine imponierende Startleistung nur, wenn es das zuletzt geladene System war. War vorher ein anderes Betriebssystem aktiv, zeigt Windows 8 kaum bessere Startwerte als Windows 7.