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Windows-Reparaturen

Windows 7 und 8 sind stabile Systeme. Trotzdem ist es beruhigend zu wissen, dass es bei Pannen ein ganzes Arsenal an Reparaturfunktionen gibt. Ein stotterndes Windows ist noch lange nicht tot, Ihre Benutzerdaten schon gar nicht.

Es ist erfreulich, dass die Systemkatastrophen seltener werden. Andererseits führt das dazu, dass Windows-Nutzern die Pannen-Kompetenz abhanden geht. Da wird dann schon bei harmlosen Problemen schnell formatiert und neu installiert. Falsch: Lesen Sie hier, welche weitreichenden Reparaturen Windows und das Windows-Zweitsystem beherrschen (WinRE: Windows Recovery Environment).

1. Datenrettung mit „Vorgängerversionen“ in Windows 7

Alle Windows-7-Editionen besitzen eine stille Backup-Funktion von Benutzerdateien, die Microsoft in Windows 8 wieder abgeschafft hat. Die Funktion arbeitet so dezent im Hintergrund, dass viele Windows-Benutzer sie offenbar schlicht übersehen oder vergessen. Deshalb hat Microsoft diese „Vorgängerversionen“ unter Windows 8 durch die aktivere Komponente „Dateiversionsverlauf“ ersetzt. Die ist zwar voll in Ordnung, aber die Lösung unter Windows 7 ist mindestens ebenbürtig.

Benutzerdateien wiederherstellen: Mit den „Vorgängerversionen“ können Sie verlorene Benutzerdateien (Text, Musik, Bilder) wiederherstellen oder defekte durch ältere, bessere Dateiversionen ersetzen. Das Zurückschreiben funktioniert nach einem Rechtsklick auf Ordner und Dateien mit der Option „Vorgängerversionen wiederherstellen“. Wenn Sie diese anklicken, erhalten Sie ein Fenster, das die verfügbaren Kopien mit Datumsangabe auflistet. Nachdem Sie eine Version markiert haben, können Sie diese Vorgängerversion im Explorer anzeigen („Öffnen“), an einen Ort Ihrer Wahl speichern („Kopieren“) oder an den ursprünglichen Ort zurückspeichern („Wiederherstellen“).

Komplett gelöschte Dateien oder Ordner können Sie natürlich nicht rechts anklicken. Hier wählen Sie „Vorgängerversionen wiederherstellen“ für den übergeordneten Ordner, klicken bei der gewünschten Version auf „Öffnen“ und ziehen nun Datei oder Ordner aus dem Explorer-Fenster an ein Ziel Ihrer Wahl.

Die Funktion berücksichtigt nur Änderungen: Gibt es keine älteren Versionen, dann wurde die Datei offenbar nie geändert. Bei jeder Datei, die Sie mindestens einmal geändert haben und die mindestens einen Wiederherstellungspunkt erlebt hat (sich also länger als einen Tag auf der Festplatte befindet), finden Sie eine oder mehrere ältere Versionen.

Einstellungen prüfen: Der Umfang der gesicherten Daten richtet sich nach den Werten, die unter „Computerschutz“ für die Partitionen eingestellt sind. Welche Laufwerke diesen Schutz erhalten sollen und in welchem Umfang (Plattenplatz), können Sie unter „Systemsteuerung –> System –> Computerschutz “ selbst bestimmen.

Sollte dort der Schutz für ein Laufwerk ausgeschaltet sein („Aus“), auf dem wichtige Benutzerdateien liegen, markieren Sie es in der Liste und klicken auf „Konfigurieren“. Im folgenden Fenster wählen Sie die Option „Systemeinstellungen und vorherige Dateiversionen wiederherstellen“. Darunter können Sie mit dem Schieberegler einstellen, wie viel Speicherplatz dadurch maximal belegt werden darf. Sicherheitsbewusste können bis zu 20 Prozent investieren. Ist der erteilte Platz nach einiger Zeit belegt, werden automatisch die ältesten Sicherungen gelöscht.

Systemschutz
„Vorherige Dateiversionen“ unter Windows 7: In dieser Windows-Version lohnt sich ein großzügig eingestellter Systemschutz auch auf Datenpartitionen.

2. Systemreparatur im laufenden System

Bei Software- oder Systemfehlern, die Windows nicht am ordnungsgemäßen Start hindern, verwenden Sie die eingebaute Systemwiederherstellung. Sie finden diese wichtige Funktion unter „Systemsteuerung –> System –> Computerschutz –> Systemwiederherstellung“. Windows bietet hier von sich aus den letzten Wiederherstellungspunkt an, Sie können sich aber auch ältere anzeigen lassen. Mit Markieren des Eintrags und „Weiter“ setzen Sie das System auf diesen früheren Zustand und beseitigen damit akute Probleme, die Sie sich durch eigene Konfigurationsfehler oder eine Software-/Treiber-Installation eingehandelt haben. Die Maßnahme berücksichtigt Systemordner, den Programme-Ordner sowie die Registry und ist eine zuverlässige Methode, um akute Fehler zu beseitigen.

Tipp: Stellen Sie unter „Computerschutz“ unbedingt sicher, dass der Schutz mindestens auf der Systempartition aktiv ist – also „Ein“ anzeigt. Sie verbessern die Systemsicherheit zusätzlich, wenn Sie vor systemrelevanten Aktionen manuell einen Wiederherstellungspunkt anlegen. Dies geschieht unter „Systemsteuerung –> System –> Computerschutz“ mit der Schaltfläche „Erstellen“.

Hintergrund zum Computerschutz: Einmal täglich und wenn Updates und Installationen dies fordern, macht Windows einen Snapshot geänderter Systemdateien. Windows 7 berücksichtigt dabei auch Benutzerdateien (siehe Punkt 1) Um den Platzbedarf zu minimieren, speichert Windows in diesen Snapshots nur die geänderten Blöcke von Dateien und Ordnern, die sich seit dem letzten Systemwiederherstellungspunkt ergeben haben. Speicherort ist der versteckte und selbst mit Admin-Rechten unzugängliche Ordner „System Volume Information“ auf jeder Partition.

3. Erweiterte Startoptionen nach F8

Wenn Windows 7 oder 8 nicht mehr startet, nutzen Sie den „Abgesicherten Modus“ oder „Computer reparieren“ (Standard-Notfallsystem). Nach den Bios-Routinen kommen Sie beim Systemstart mit Taste F8 an den Bildschirm „Erweiterte Startoptionen“ mit einem textbasierten Menü, wo Sie mit Cursor-Taste die gewünschte Option auswählen.

F8 drücken? Das ist leichter gesagt als getan: Wenn auf Ihrem PC nur ein Windows-System vorhanden ist und folglich kein Bootmanager-Auswahlmenü erscheint, ist es schwierig, den richtigen Moment für F8 abzupassen: Während der Bios-Initialisierungen ist es zu früh, sobald der Windows-Kernel lädt, zu spät. Drücken Sie daher gleich nach dem Einschalten des PC mehrfach F8.

Tipp: Wenn Sie einen um zwei Sekunden verlängerten Systemstart akzeptieren können, hilft ein Trick. Sie erzeugen auf der Kommandozeile mit Admin-Rechten und den Befehlen

bcdedit /copy {current} /d "Dummy-OS"
bcdedit /timeout 4

einen zweiten Eintrag im Bootmanager. Somit bleiben immer vier Sekunden, um mit [F8] die „Erweiterten Startoptionen“ zu aktivieren.

ErweiterterStart
Reparaturoptionen nach F8: Am wichtigsten sind „Computer reparieren“ und „Abgesicherter Modus“. Das Menü zeigt weitere unten noch weitere Debug-Optionen.

4. Immer erst den „Abgesicherten Modus“ versuchen

Mit dem „Abgesicherten Modus“ starten Sie immer noch das Windows-Hauptsystem, allerdings mit wenigen Standardtreibern und ohne Software-Autostarts. Äußerlich erkennen Sie ein abgesichertes Windows sofort an der ungewohnten Bildschirmauflösung. Der Modus ist das ideale Instrument, um Treiber- und Software-Probleme zu beheben, also durch De-Installation wieder vom System zu schaffen. Wenn Sie sich unschlüssig sind, welche Komponenten im Geräte-Manager (Hardware-Treiber) oder unter Systemsteuerung –> Programme und Features“ (Software) zu entfernen sind, können Sie im „Abgesicherten Modus“ die Systemwiederherstellung starten und darauf vertrauen, dass diese einen jüngst installierten Störenfried zuverlässig beseitigt.

5. „Computer reparieren“: Zweitsystem WinPE

Auf jeder Windows-Setup-DVD, aber auch auf der Festplatte unter \Recovery befindet sich das Zweitsystem „Windows Recovery Environment“ (WinRE), das ein kaputtes Windows von außen reparieren kann. WinRE basiert auf dem Minisystem Windows PE („Windows Preinstallation Environment“). Um die Begrifflichkeit zu vereinfachen, sprechen wir generell von WinPE.

Sie starten WinPE, indem Sie nach [F8] unter “Erweiterte Startoptionen“ den Eintrag „Computer reparieren“ wählen. Damit lädt WinPE und zeigt Reparaturoptionen. Die Darstellung unterscheidet sich zwischen Windows 7 und 8 erheblich, funktional sind sich die beiden Zweitsysteme aber sehr ähnlich.

Startumgebung reparieren: Die „Systemstartreparatur“ in WinPE von Windows 7 durchsucht die Festplatten nach Windows-Installationen und erneuert dann die Startumgebung entsprechend. Diese Möglichkeit sollten Sie ausprobieren, wenn das BIOS nach dem Start kein Betriebssystem findet.

Im verschachtelten WinPE von Windows 8 finden Sie diese Systemstartreparatur unter „Problembehandlung –> Erweiterte Optionen –> Automatische Reparatur“.

Wiederherstellungspunkt zurückschreiben: Der nächste Punkt in WinPE von Windows 7 lautet „Systemwiederherstellung“. Hier können Sie vom Zweitsystem aus das defekte Hauptsystem auf einen älteren Zustand zurücksetzen. Das funktioniert genauso wie bei Systemwiederherstellung im laufenden Hauptsystem, indem Sie den jüngsten Wiederherstellungspunkt oder einen anderen auswählen und auf „Weiter –> Ja“ klicken.

Im WinPE von Windows 8 finden Sie den Punkt unter „Problembehandlung –> Erweiterte Optionen –> System wiederherstellen“.

Gesamtsicherung zurückschreiben: Mit der „Systemabbild-Wiederherstellung“ in WinPE von Windows 7 können Sie ein defektes System durch ein früher gesichertes Systemabbild ersetzen. Das setzt voraus, dass Sie über „Systemsteuerung –> Sichern und Wiederherstellen“ (Windows 7) oder „Systemsteuerung –> Windows 7-Dateiwiederherstellung“ (Windows 8) in jüngerer Vergangenheit die Sicherungsfunktion „Systemabbild erstellen“ ausgeführt haben.

Im WinPE von Windows 8 finden Sie den Punkt unter „Problembehandlung –> Erweiterte Optionen –> Systemimage-Wiederherstellung“.

Eingabeaufforderung: Dieser Punkt ist in vielen Fällen der wichtigste. WinPE hat zwar keinen grafischen Dateimanager, aber mit der Eingabeaufforderung kommen Sie an alle Ordner und Daten und können Sie mit „Copy“, „Xcopy“ oder „Robocopy“ auf ein anderes Laufwerk transportieren. Außerdem starten Sie über den Prompt beliebige externe Hilfsmittel wie etwa einen Total Commander oder 7-Zip-Packer. Beachten Sie dabei aber die Einschränkungen von 64-Bit-Zweitsystemen (siehe unten, Anmerkung 1).

Im WinPE von Windows 8 finden Sie den Punkt unter „Problembehandlung –> Erweiterte Optionen –> Eingabeaufforderung“.

Win7RE
Notfallsystem von Windows 7: Der einfache Dialog bietet Zugang zur Systemwiederherstellung und mit der Eingabeaufforderung eine Startrampe für Tools.
Win8RE
Notfallsystem von Windows 8 (Montage): Hinter dem schickeren Outfit verbergen sich die Funktionen des Vorgängers. Hinzu kommen „Refresh“ und „Reset“.

6. Einen „Systemreparaturdatenträger“ erstellen

WinPE lässt sich problemlos auf externe Datenträger kopieren. Das ist ratsam, weil nicht nur Windows, sondern auch das auf Festplatte vorinstallierte WinPE defekt sein kann. Außerdem können Sie dieses mobile Minisystem bequem um zusätzliche Tools erweitern.

In Windows 7 finden Sie in der Systemsteuerung den Punkt „Sichern und Wiederherstellen“ und dort „Systemreparaturdatenträger erstellen“. Unter Windows 8 erscheint diese Option unter „Wiederherstellung –> Wiederherstellungslaufwerk erstellen“. Hier in Windows 8 ist es dann auch vorgesehen, als Medium CD, DVD oder ein USB-Laufwerk anzusteuern.

Workaround für Windows 7: Das ältere Windows 7 bietet für den Systemreparaturdatenträger nur CD und DVD an. Um das Zweitsystem wie unter Windows 8 auf einem beschreibbaren USB-Stick unterzubringen, sind einige Zwischenschritte nötig:

1. Sie kopieren WinPE zunächst wie vorgesehen mit dem Systemsteuerungs-Applet auf eine CD.

2. Sie verwenden in Imgburn die Option „Imagedatei von Disc erstellen“, um WinPE nun wieder in ein ISO-Image auf die Festplatte zurückzuholen.

3. Sie laden das ISO-Image mit Virtual Clone Drive als virtuelles Laufwerk.

4. Nun bearbeiten Sie mit „diskpart“ den eingelegten USB-Stick: Mit „list disk“ erfahren Sie die Kennnummer des Sticks, den Sie dann mit

select disk [Nummer des USB-Sticks]

auswählen und mit „clean“ komplett säubern. Achten Sie dabei unbedingt darauf, das richtige Laufwerk anzusprechen! Dann richten Sie mit „create partition primary“, wählen diese mit „select partition 1“ und machen Sie mit „active” boot-fähig. Mit

format fs=fat32
assign

formatieren Sie mit FAT32 und vergeben einen Laufwerkbuchstaben.

5. Nun kopieren Sie den Inhalt des ISO-Images – nicht die ISO-Datei! – auf den bootfähigen Stick, den Sie um beliebige Tools erweitern können. Achten Sie dabei auf die passende Architektur – 32 Bit oder 64 Bit.

Windows Recovery Environment
Erweitertes Notfallsystem: Das Notfallsystem WinPE bringen Sie unter Windows 8 mühelos, unter Windows 7 mit etwas Aufwand auf einen USB-Stick.
Wiederherstellungslaufwerk
Windows 8 bietet auch USB-Sticks an: Ein „Wiederherstellungslaufwerk“ auf USB-Stick richten Sie unter „Systemsteuerung –> Wiederherstellung“ ein.

7. Für Bastler: DISM erweitert das Notfallsystem

Das „Deployment Image Servicing and Management Tool“ Dism.exe gehört unter Windows 7 und 8 zum Standardinventar. Dieses Tool lädt den Inhalt von WIM-Dateien (Windows Images) in ein beliebiges Verzeichnis und schreibt Änderungen danach wieder in das Windows-Image zurück. Es ist das Standardwerkzeug für angepasste OEM- Setups von Windows 7 oder Windows 8 sowie für angepasste Notfallsysteme (WinPE).

Und damit sind wir beim Thema: WinPE-Systeme befinden sich immer in einer einzigen Datei: \Sources\Boot.wim auf externen Reparaturdatenträgern, \Recovery\[…]\Winre.wim auf der Festplatte. Daher ist es nicht ohne Umweg möglich, das WinPE zu verändern oder zu erweitern. Dism kann das: Es muss auf einer mit Administratorrechten gestarteten Cmd.exe genutzt werden. Mit

dism /Mount-Wim /Wimfile:G:\sources\boot.wim /index:1 /Mountdir:C:\wim

Der Befehl lädt das erste Image (“Index:1″) aus der WIM-Datei (unter G:\Sources) in das Zielverzeichnis C:\wim. Das Zielverzeichnis muss existieren und leer sein. „Index“ muss immer angegeben werden, obwohl die WIM-Dateien von Windows PE nur ein System beinhalten (anders als die Install.wim beim Setup). Der Vorgang kann dann je nach Quell-Laufwerk einige Zeit dauern, danach steht der Inhalt des Images im Verzeichnis C:\wim zur Bearbeitung bereit. Sie können sowohl den „Programme“-Ordner, noch besser „System32“ mit weiteren Tools bestücken. Achten Sie auch hier wieder auf die passende Architektur der Software– 32 Bit oder 64 Bit. Nützliche Kandidaten sind der Total Commander, ein Hex-Editor, einen Bildviewer oder ein Undelete-Werkzeug wie Recuva.

Nach den gewünschten Änderungen schreibt der folgende Befehl das komplette geänderte Image in die WIM-Datei zurück. Entscheidend ist der Schalter „/commit“:

dism /Unmount-Wim /Mountdir:C:\wim /commit

Dieser Befehl kann natürlich nur auf beschreibbaren Medien funktionieren.

Dism
Windows-Image mit Dism bereitstellen: Nach dieser Aktion liegen die Dateien des Mini-Systems im Zielordner und können mit dem Explorer bearbeitet werden.

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Anmerkung 1: Windows PE mit 32 Bit und 64 Bit
Beim Einsatz und beim manuellen Ausbau eines Windows-PE-Zweitsystems müssen Sie eine Eigenheit des Minisystems einkalkulieren: Anders als ein „großes“ 64-Bit-Windows bringt das 64-Bit-Notfallsystem kein Subsystem für 32-Bit-Software mit. Das heißt, dass Sie hier ausschließlich 64-Bit-Software starten sowie erfolgreich integrieren können. Wenn Sie 32-Bit-Software aufrufen, erhalten Sie eine Fehlermeldung, die klarste noch auf der Kommandozeile: „Das zum Unterstützen des Abbildtyps erforderliche Subsystem ist nicht vorhanden“.

Das vorinstallierte Notfallsystem auf der Festplatte hat immer dieselbe Architektur wie das Hauptsystem (siehe Basisinformationen nach [Win Pause]). Halten Sie daher eventuelle zusätzliche Tools wie den Total Commander immer in der richtigen Variante bereit.

Anmerkung 2: Registry mit Zweitsystem reparieren
Das Zweitsystem hat das Standardwerkzeug Regedit.exe an Bord, das beim Start zunächst die eigene Registry, also die des Zweitsystems anzeigt. Regedit kann aber auch auf die Registry des Hauptsystems zugreifen und diese bearbeiten. Dazu markieren Sie den Hauptschlüssel „Hkey_Local_Machine“ mit der Maus und wählen „Datei, Struktur laden“. Im daraufhin erscheinenden Dialog können Sie eine Registry-Datei vom Hauptsystem laden. Die Registry-Dateien befinden sich auf der Windows-Partition des Hauptsystems unter „\Windows\System32\config“. Hauptkandidat für Reparaturen bei ernsthaften Bootproblemen ist die Datei „SYSTEM“. Wenn Sie eine Registry-Datei in der beschriebenen Weise über „Struktur laden“ einlesen, fragt Sie Regedit nach einem Namen. Geben Sie etwa „ZZZ“, dann finden die importierte Datei unter „Hkey_Local_Machine\ZZZ“. Unter „ZZZ“ erscheint dann der importierte Registry-Teil des Hauptsystems mit allen Unterschlüsseln. Diese können Sie wie gewohnt bearbeiten. Wenn Sie anschließend „Datei, Struktur entfernen“ wählen, werden die Reparaturen in die defekte Datei des Hauptsystems zurückgeschrieben.

Diese Methode der Registry-Reparatur ist nur sinnvoll, wenn Sie von vornherein exakt wissen, wo der Fehler liegt, und ferner wissen, dass es sich um ein punktuelles Problem handelt, das mit einem manuellen Eingriff zu beseitigen ist. In der Regel trifft das nur für fehlerhafte Einträge unter „Hkey_Local_Machine\System\MountedDevices“ oder unter „Hkey_Local_Machine\System\CurrentControlSet“ zu.

Regedit.StrukturLaden
Regedit importiert Registry-Dateien aus anderen Windows-Installationen. Damit kann ein Zweitsystem die Registry-Fehler des Hauptsystems korrigieren.

Hyper-V

Hyper-V

Erstmals liefert Windows 8 mit Hyper-V eine Virtualisierungssoftware gleich mit – eine exzellente Systembeilage. Hyper-V gibt es allerdings nur in der Windows-8-Professional-Edition. Die Software erlaubt das Anlegen, Ändern und Starten virtueller Gastsysteme unter Windows 8. Dabei bevorzugt Hyper-V Windows-Gastsysteme, unterstützt aber auch namhafte Linux-Distributionen.

Voraussetzungen und Installation
Hyper-V erfordert die 64-Bit-Variante von Windows-8 Pro, weil es AMD/Intel-Virtualisierungsfunktionen für x64-Prozessoren nutzt. Wenn Sie Windows 8 auf einem älteren 64-Bit-Rechner installiert haben, können Sie mit „systeminfo“ vorab prüfen, ob die CPU den Anforderungen entspricht: Am Schluss der Anzeige sollten Sie neben „Anforderungen für Hyper-V“ viermal ein „Ja“ sehen. Der PC sollte außerdem mit mindestens vier GB RAM bestückt sein – mehr ist besser.
Hyper-V ist standardmäßig abgeschaltet und muss über „Systemsteuerung –> Programme und Features –> Windows-Features aktivieren oder deaktivieren“ erst mal nachinstalliert werden. Klicken Sie in dieser Liste auf „Hyper-V“, und bestätigen Sie mit „OK“. Nach dem nächsten Windows-Start finden Sie den „Hyper-V-Manager“ am Startbildschirm. Es handelt sich dabei um die Management-Konsole Virtmgmt.msc, die allerdings nur Bedienung und Oberfläche bereitstellt und auf neu installierten Diensten basiert.

Virtuellen Netzwerk-Adapter einrichten
Bevor Sie virtuelle Computer starten oder installieren, sollten Sie mindestens einen virtuellen Switch anlegen – also eine virtuelle Netzwerkschnittstelle für die Gastsysteme. Der betreffende Punkt findet sich rechts unter „Aktionen“ und nennt sich „Manager für virtuelle Switches“. Wählen Sie unter „Neuer virtueller Switch“ die Voreinstellung „Externes Netzwerk“: Diese offenste Variante ist notwendig, wenn die Gastsysteme eine Verbindung nach außen herstellen, also etwa auch ins Internet gehen sollen.-

Ein virtuelles System konfigurieren
Markieren Sie in der linken Spalte unter „Hyper-V-Manager“ den Namen des aktuellen Rechners. Nun erstellen Sie rechts in der Spalte „Aktionen“ erstellen mit „Neu –> Virtueller Computer“ ein neues virtuelles System. Dabei hilft Ihnen einen Schritt-für-Schritt-Assistent. Sie können aber alle hier getroffenen Einstellungen später noch korrigieren:
Unter „Name und Pfad eingeben“ genügt ein sprechender Name – etwa „Ubuntu 12.10“.
Unter „Speicher zuweisen“ geben Sie eine angemessene RAM-Kapazität an, etwa 2 GB für aktuelle Windows-Systeme.
Unter „Netzwerk konfigurieren“ korrigieren Sie die Vorgabe „Nicht verbunden“ auf den vorher eingerichteten virtuellen Switch.
Unter „Virtuelle Festplatte verbinden“ gibt es eine Anzahl von Optionen. Wir beschreiben hier den insbesondere bei der Erstbenutzung von Hyper-V wahrscheinlichsten Fall: Da noch keine virtuelle Festplatte (Virtual Hard Disk mit der Erweiterung VHD) für Hyper-V vorhanden ist, werden Sie in diesem Dialog die erste Option verwenden wollen – „Virtuelle Festplatte erstellen“. Alle Angaben zu Name, Pfad und Größe können Sie unverändert übernehmen.
Klicken Sie dann auf den Unterpunkt „Installationsoptionen“, und aktivieren Sie dort die Option „Betriebssystem von startfähiger CD/DVD-ROM installieren“. Hier gibt es eine weitere Fallunterscheidung, je nachdem, ob das zu installierende System von einer echten DVD installiert wird oder von einem ISO-Image. Letzteres ist inzwischen sowohl bei Windows-Installationen wie bei Linux-Systemen deutlich verbreiteter. Geben Sie, sofern die Installation von ISO erfolgt, den kompletten Pfadnamen des ISO-Images an. Die Schaltfläche „Durchsuchen“ vereinfacht Ihnen die Eingabe.
Das war dann auch schon der letzte und komplizierteste Schritt: Sie können die Konfiguration des virtuellen Systems jetzt mit „Fertig stellen“ abschließen. Eventuelles Feintuning der virtuellen Systeme ist jederzeit nach Rechtsklick über die „Einstellungen“ möglich.

Hyper-V: Neue virtuelle Maschine einrichten

Virtuelle Systeme starten und nutzen
Um das konfigurierte System zu starten und gegebenenfalls zu installieren, klicken Sie unter „Virtuelle Computer“ mit rechter Maustaste auf das System und wählen erst „Verbinden“ und nach erneutem Rechtsklick die Option „Starten“. Schon kann’s losgehen – das Gastsystem startet in einem Fenster am Windows-8-Desktop. In diesem Fenster bedienen oder installieren Sie es wie gewohnt und können es mit seiner eigenen Oberfläche auch wieder beenden.
Zum Steuern von außen hilft das Hyper-V-Fenstermenü „Aktion“: Hier finden Sie neben „Ausschalten“, „Herunterfahren“ und „Neu starten“ auch noch „Anhalten“ und „Snaphot“. Beim „Anhalten“ werden dem Gastsystem sämtliche CPU-Ressourcen entzogen – sie friert im aktuellen Zustand ein und gibt dadurch dem Windows-8-Hostsystems die volle Rechenpower. Der Speicherinhalt des Gastsystems bleibt aber erhalten, und das virtuelle System läuft nach dem „Fortsetzen“ sofort weiter.
Die Aktion „Snaphot“ ist das Mittel der Wahl, um ohne Risiko Experimente mit Software oder Konfigurationsänderungen anzustellen. Sollte das Experiment schiefgehen, kehren Sie mit „Zurücksetzen“ auf den zuletzt gespeicherten Snapshot zurück.

Modern Apps (vorinstalliert)

Die Modern Apps sollen die bisher geläufigen Windows-Programme zunehmend ablösen – also etwa die Musik-App den bisherigen Windows Media Player. Damit soll das Benutzererlebnis auf dem PC identisch werden mit jenem auf ARM-Geräten mit Windows RT.

Ein weiterer Aspekt pro Modern Apps ist das Sicherheitsmodell: Bereits mit Windows Vista hat Microsoft die sogenannten „Integrity Level“ eingeführt. Dabei handelt es sich um ein 3-stufiges Berechtigungssystem auf Datei- und Ordner-Ebene, das Lese- und Schreibzugriff der Prozesse regelt. Mit Windows 8 wurde dieser Schutzmechanismus runderneuert und in „App Container“ umgetauft. Hierbei können die Berechtigungsstufen für Apps vom Entwickler exakt festgelegt werden. Grundsätzlich laufen alle Windows-8-Apps in einem App Container. Das bedeutet, sie können ohne explizite erlaubnis weder mit anderen Apps, noch mit Benutzerdateien oder dem System interagieren. Der Entwickler der App kann aber System-Funktionen festlegen, die seine App nutzen darf. So braucht eine News-App etwa Zugriff auf das Internet, aber nicht auf Ihre Webcam, eine Foto-App Zugriff auf die Bildbibliothek, aber nicht auf andere Daten.

Windows 8 ist in diesem Punkt aber noch ein Übergangssystem: Es lässt den Nutzer bei einigen wichtigen Software-Aufgaben noch die Wahl zwischen einer Modern App und einer Desktop-Variante. Für die folgenden neuen Modern Apps liefert Windows 8 (Standard, Pro, Enterprise) noch ein klassisches Desktop-Programm als Alternative mit. Somit werden konservative Nutzer gleichermaßen bedient wie jene, die sich mit den einfacheren WinRT-Apps anfreunden können. Selbstverständlich steht es Ihnen auf PCs und Notebooks jederzeit offen, alternative Software einzusetzen, die Windows nicht mitliefert.

Musik-App: Die ZuneMusic-App ist schicker Musikplayer und Zugangssoftware zum Xbox Musik-Marktplatz zugleich. Dort wird man automatisch beim Start angemeldet, sofern man für die Windows-Anmeldung ein Microsoft-Konto nutzt. Lokale Musikmedien übernimmt die Musik-App nur, wenn sie innerhalb der Windows-Bibliothek „Musik“ zu finden sind. Eine eigene Mediensuche bietet die Software nicht, sondern überlässt die dem „Suchen“-Charm, den Sie mit Wischbewegung oder Win-C auslösen. Die ZuneMusic-App kann als Player gefallen, lässt aber vieles vermissen. Wer CDs rippen, komfortabel Wiedergabelisten erstellen oder auch nur wissen will, mit welcher Bitrate eine MP3-Datei daherkommt, wird wieder zum Windows Media Player greifen. Der ist auch mit an Bord.

Video-App: Für die ZuneVideo-App gilt Ähnliches wie bei der Musik-App. Auch sie dient als Player und als Zugangssoftware – hier zum Xbox Filme-Marktplatz. Auch sie orientiert sich an der Windows-Bibliothek („Videos“), auch sie hat enge Grenzen. Da der Windows Media Player auch nur wenige Videoformate wiedergibt, ist für die Videowiedergabe ein Player wie der VLC Media Player fast unerlässlich.

Fotos-App: „Fotos“ hat gegenüber dem Desktop-Programm „Fotoanzeige“ einige Vorzüge. Neben der lokalen Bilder-Bibliothek zeigt es auch die Bilder der angeschlossenen Heimnetzgeräte, von Skydrive, Facebook oder Flickr.

Kalender-App: Diese App ist wie „Mail“, „Nachrichten“ und „Kontakte“ eine Teilkomponente der WindowsCommunicationsApps. Einen Grund, diese App am PC zu verwenden, sehen wir nicht: Derselbe Live Kalender im Browser ist eindeutig attraktiver und detaillierter.

Remotedesktop-App

Remotedesktop App: Einen Grund, diese App am PC zu verwenden, sehen wir nicht. Die Verbindungseinstellungen sind in der altbekannten Desktop-Variante übersichtlicher und differenzierter.

Skydrive-App: Dieser Zugang zur Microsoft-Wolke ist ohne Zweifel hübsch gemacht. Die wenigen Funktionen, die Sie für die Nutzung und Verwaltung der Online-Dateien brauchen, sind im besten Sinne intuitiv. Wer aber den ganzen Tag einen offenen Desktop-Browser nutzt, hat mit https://skydrive.live.com im Vollbild weitgehend das gleiche Ergebnis. Reine Geschmackssache!

 

Für die nachfolgenden Apps liefert Windows 8 keine Desktop-Pendants mehr mit. Wer sich damit nicht anfreunden kann, findet aber leicht Alternativen – etwa die Live Essentials von Microsoft oder den Foxit PDF-Reader.

Reader-App: Der PDF-Reader ist eine typische Modern App mit einfachsten Bedienelementen. Diese blendet Windows 8 nach Wischen von unten oder einem Rechtsklick am unteren Bildschirmrand ein: Suchfunktion, Speichern, Öffnen, Drehen, mehrere Ansichtsmodi und semantisches Zoomen – sehr viel mehr bietet der Reader nicht. Es reicht aber völlig zum Lesen, Navigieren und Suchen in PDF- oder XPS-Dateien (Microsoft-Pendant zu Adobe-PDF). PDF-Dateien sind standardmäßig mit dem Windows-Reader verknüpft, PDFs im Web schickt der Internet Explorer 10 unter Windows 8 ebenfalls standardmäßig an diesen internen Reader weiter.

Mail-App: Das Mailprogramm ist für einfache Ansprüche ausreichend. Weitere Mail-Konten – neben dem Microsoft-Konto – lassen sich nach Win-I und „Konten, Konto hinzufügen“ einrichten. Dabei übernimmt die App aber nur die Mails der letzten Wochen – das ist für Imap-Konten nicht geeignet. Die Suche in den Mails erfolgt über das betreffende Charms-Menü. Die Oberfläche ist aufgeräumt, aber – wie immer bei WinRT-Apps – nicht individualisierbar.

Kontakte-App und Nachrichten-App: „Nachrichten“ ersetzt in Zusammenarbeit mit der Kontakte-App den alten Live-Messenger. Die Bedienung ist denkbar einfach. Für eine neue Nachricht startet die Kontakte-App und filtert die Personen nach dem Online-Status. Danach schicken Sie die Nachricht an die gewünschte Person.

Store, Wetter, Finanzen, Reisen: Diese weiteren Apps sind nettes Zubehör, verdienen aber keine Einzelbewertung.

OEM-Aktivierung 3.0

Wenn Sie PC oder Notebook mit Windows 8 neu erwerben, ist das Betriebssystem voraussichtlich bereits aktiviert. Das ist einerseits ein Vorteil, weil Sie sich die Online-Aktivierung mit Ihrem Produktschlüssel ersparen. Andererseits steckt dahinter eine neue Microsoft-Maßnahme gegen Produktpiraten: OEM Activation 3.0 generiert auf dem jeweiligen Gerät einen Produktschlüssel und einen Hardware-abhängigen Hashwert. Diese Aktivierungsdaten trägt es in die UEFI-Firmware ein und verstärkt damit die Koppelung der Hardware mit dem Windows-System. Dies ist wahrscheinlich der Hauptgrund, warum Microsoft neuere UEFI-Firmware als Zertifizierungsbedingung für Windows 8 vorgibt; auf älterem BIOS ist dieses Vorgehen nicht möglich.

Der Schlüssel ist dann nur noch auf diesem Gerät gültig. Neu-Installation ist nur mit Hilfe der OEM-Recovery möglich. Welche Hardware-UIDs in den Hashwert eingehen, ist bislang nicht geklärt. Dies wird darüber entscheiden, welche Umbauten in dem Gerät möglich sind, ohne die Windows-Aktivierung zu verlieren.

16-Character-Bug

Windows 8 akzeptiert Kennwörter nur bis zu einer Länge von 16 Zeichen. Der Bug betrifft sowohl die Benutzeranmeldung am System als auch Anmeldungen bei Online-Diensten wie etwa SkyDrive oder Outlook.com (der Hotmail-Nachfolger). Das führt bei gescheiterten Anmeldungsversuchen zu erheblicher Irritation, ist aber relativ leicht behebbar: Statt dem eigentlichen Kennwort ist das Kennwort nur bis zur 16. Stelle einzugeben – dann klappt die Anmeldung. Wer dies einmal weiß, sollte seine Kennwörter auf maximal 16 Stellen kürzen. Dies ist an sich eine sicherheitstechnisch völlig ausreichende Passwortlänge. Trotzdem hat dieser Bug eine gewisse Peinlichkeit bei einem Software-Hersteller, der sich dem Trustworthy Computing verschrieben hat…

Windows Store

Der Windows Store ist unter Windows 8 ein integraler Bestandteil. Es gibt nur zwei Kacheln auf dem Startbildschirm, die man „Deinstallieren“ darf – den „Desktop“ und eben diesen „Store“.

Ein Store für das mobile Tablet- und Smartphone-System Windows RT? Einverstanden, das macht Sinn und folgt dem Vertriebsweg von Apple und Google Android. Aber ein Download-Center für das PC-System Windows 8 (Pro), das doch mit jedem Browser das umfangreichste Software-Angebot abgreifen und ausführen kann? Welcher PC-Benutzer braucht das? Solche Zweifel erledigen sich aber schnell vor Ort – im Store. Ea iat klar absehbar, dass mit dem Store auch für PC-Benutzer eine wichtige Downloadquelle heranwächst.

Digitaler Laden nicht nur für Microsoft-Apps
Nachdem bis Mitte des Jahres nur von Modern Apps im Windows Store die Rede war, hat Microsoft den Store auch für klassische Desktop-Programme geöffnet. Software-Hersteller können im Store kostenlose Produkte, zeitbeschränkte oder funktionsreduzierte Demo-Versionen sowie kostenpflichtige Programme anbieten. Bei Bezahl-Software verlangt Microsoft 30 Prozent Provision, ab einem gewissen Umsatz 20 Prozent. Damit ist Microsoft für die Software-Hersteller günstiger als etwa der Apple Store. Bei Erfolg von Windows 8 kann Microsoft zudem mit einem gigantischen Markt locken. Der Store hat die Adresse http://apps.microsoft.com, ist aber nur mit Windows 8 und der dort enthaltenen Startkachel bedienbar.
Die Preise für kostenpflichtige Software hat Microsoft von mindestens 1,49 bis maximal 999,99 Dollar nach unten und oben limitiert. Jede im Store bereitgestellte Software muss von Microsoft zertifiziert werden und dabei bestimmte Anforderungen erfüllen. Das ist für Hersteller sicher eine gewisse Hürde, garantiert andererseits dem Endkunden eine Mindestqualität. Dazu gehören nicht nur technische und grafische Kriterien, sondern auch eine Datenschutzrichtlinie sowie ein dosierter Anteil von Werbung, die aber grundsätzlich erlaubt ist. Hinzu kommen noch ethische Richtlinien, insbesondere zu Jugendschutz, die zum Teil aber durchaus Interpretationsspielraum der Entwickler erlauben: Was bedeutet etwa „keine übermäßigen oder unnötigen Obszönitäten“ genau? Weitere Pflichten einer App sind eine Altersfreigabe von „3+“ bis „16+“ (jugendgefährdender Inhalt ab 18 ist nicht erlaubt) und die Bewertungsmöglichkeit durch die Nutzer, um ein Kontrolle durch die Community zu garantieren.

App-Beschreibung im Windows Store

Der Store: Vertrauensbildung und Systemintegration
Die Apps im Windows Store präsentieren sich in ähnlich einfacher, aber farbenfroher 2D-Kacheloptik wie die die Apps auf dem Startbildschirm. Beim Klick auf eine kleine App-Kachel erscheint das Datenblatt im Vollbild – immer mit Screenshot, Beschreibung, Features, Preis, Herausgeber, Altersfreigabe, Downloadgröße, Netzwerkrechte der App und mehr. Die Links „Details und „Rezensionen“ können den Eindruck vervollständigen. “Über „Installieren“ holen Sie sich die App auf das System. Die Informationen des Windows Store unterscheiden sich nicht grundsätzlich von den Stores bei Google und Apple, sind aber insgesamt ein Stück umfangreicher und vertrauensbildender. Wer sich die Zeit nimmt, alle Infos zu lesen, installiert oder kauft garantiert nicht „die Katze im Sack“.
Microsoft nutzt aber über Windows 8 weitere Möglichkeiten, den Online-Store als selbstverständliche Komponente zu integrieren:
Bei der Suche (Win-F oder Tippen im Startbildschirm) ist der Store eine der aufgeführten Standardplätze.
Nach erfolgreicher Installation neuer Apps aus dem Store erscheint grundsätzlich eine kleine Modern-UI-Meldung am klassischen Desktop.
Trifft der Windows-Explorer auf einen nicht registrierten Dateityp, folgt umgehend ein Modern-UI-Dialog, der den Benutzer auffordert, „Im Store nach einer App [zu] suchen“. Das ist gut gemeint, verspricht aber vermutlich zu viel: Die passende Anwendung für irgendwelche exotischen Dateitypen werden Sie im Store weder jetzt noch später finden.
Die wahrscheinlich überzeugendste Maßnahme, den Windows-8-Nutzer ganz schnell an den Store zu gewöhnen, läuft aber ganz anders: Microsoft lässt in Windows 8 einfach einige beliebte Komponenten weg, die sich der User dann im Store umgehend wieder holen kann.

Fehlendes Zubehör zieht in den Store
Windows 8 fehlen unter anderem die kompletten Spiele der Vorgänger. Die finden sich – vorerst – kostenlos im Store: Mit Pinball, Minesweeper, Mahjong, Hearts sind alte Klassiker im Angebot, die aber jetzt allesamt im Modern-UI-Look auftreten und zum Teil deutlich attraktiver ausfallen als die früheren Desktop-Versionen. Unter den bei Redaktionsschluss vorliegenden Spielen sind noch Air Soccer, Cut The Rope und Dark Arcana besonders herauszuheben – allesamt Spiele von anderen Herstellern.
Als Windows-nahes Zubehör bietet Microsoft unter anderem die Modern-App-Variante für den Remotedesktop, die Desktop-App für den Online-Speicher Skydrive oder das objektorientierte Notizbuch One Note MX mit brandneuem Radial-Menü im Modern Style.

Suche und Orientierung im Windows Store
Im September 2012 zeigte der Store 20 Kategorien, beginnend mit dem „Blickpunkt“ für Neuerscheinungen. Über „Spiele“, „Soziales Netzwerk“, „Unterhaltungsmedien“, „Foto“, „Musik und Video“ geht es erst am Ende zu den interessantesten Gruppen „Produktivität“, „Tools“ und „Büro“. Die Kategorien sind leider nicht alphabetisch sortiert, aber mit Fingerwischen oder mit dem Mausrad verschaffen Sie sich schnell einen Überblick. Die meisten Kategorien bieten eine Kachel mit der praktischen Vorsortierung „Top – kostenlos“.
Wenn Sie auf einen Kategorientitel klicken, erscheinen die enthaltenen Apps in bunten Kacheln – und erst mal reichlich unsortiert. Dies lässt sich aber durch Dropdown-Filter ändern und etwa „Nach Bewertung sortieren“. Die Filter sind brauchbar, aber nicht überall logisch: So bietet Ihnen der Store etwa einen ersten Filter „Kostenlos“ an, dessen Ergebnis Sie dann weiter „Nach Preis sortieren“ dürfen. Hier lässt sich noch Manches optimieren, aber die Bedienung und die Reaktionszeit sind insgesamt ausgezeichnet. Die Unterscheidung zwischen klassischem Windows-Programm und WinRT-App ist immer durch den Standardzusatz „Desktop-App“ bei den klassischen Programmen gewährleistet.
Eine eigene Suchfunktion hat der Store nicht, stattdessen verwenden Sie die Windows-Suche mit Win-F, klicken auf „Store“ und geben im Suchfeld den App-Namen oder eine bestimmte Eigenschaft ein. Präzise ist die Suche aber nur dann, wenn Sie den Namen kennen.

Apps-Kategorie im Windows Store

Installieren und Deinstallieren
Das Installieren erledigt der gleichnamige Standard-Link auf der Beschreibungsseite der App. Sie erhalten nach erfolgreicher Installation eine visuelle und akustische Meldung; die neue App reiht sich dann am Ende des Startbildschirms mit ihrer Kachel ein und kann hier gestartet werden. Um eine App wieder loszuwerden, gehen Sie zum Startbildschirm, klicken die Kachel rechts an und wählen „Deinstallieren“.
Wenn Sie ein Microsoft-Konto verwenden, erhalten Sie im Store nach Rechtsklick und Klick auf „Ihre Apps“ (am oberen Bildschirmrand) jederzeit einen Überblick über alle installierten Apps auf dem aktuellen Gerät und allen weiteren. Die App-Liste lässt sich sogar nach einzelnen Geräten filtern.

Windows 8: Editionsvergleich

Microsoft vereinfacht die bisherige Editionspolitik der Vorgänger Windows Vista und 7 auf drei, aus Sicht des klassischen PCs sogar auf nur noch zwei Varianten:

1. Windows RT ist das Windows 8 für Geräte mit ARM-Prozessor, insbesondere Tablets.
2. Windows 8 entspricht in der Ausstattung in etwa dem bisherigen Home Premium.
3. Windows 8 Pro entspricht der bisherigen Professional-/Ultimate-Variante.

Die wesentlichen Unterschiede zwischen Windows 8 und Windows 8 Pro sind nicht überraschend; sie entsprechen weitestgehend den bekannten Einschränkungen der Home-Varianten seit XP, Vista, 7. Der Standard-Edition werden folgende Komponenten fehlen:

  • Bitlocker-Verschlüsselung (für Datenträger)
  • EFS-Verschlüsselung (für Ordner, Dateien)
  • Remotedesktop (Server-Komponente)
  • Gruppenrichtlinien (Gpedit-Konsole)
  • Hyper-V-Client (Virtualisierung-Software)
  • Booten von virtuellen Festplatten (VHD)
  • Domänenanmeldung

Daneben ist bei der Standard-Edition wie üblich mit zahlreichen kleineren Einschränkungen zu rechnen.
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Die Windows-RT-Edition (früher WOA, Windows on ARM) will Microsoft ganz ähnlich ausstatten wie das Standard-Windows-8. Hinzu kommt auf Windows RT standardmäßig ein angepasstes Office 2013 mit Word, Excel, Powerpoint und OneNote. Ferner spendiert Microsoft Windows RT eine Hardware-basierte Geräteverschlüsselung.
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Einen genaueren Vergleich der Windows-8-Varianten bietet dieses Posting im Windows-Team-Blog.

Erweiterte WLAN-Konfiguration

Windows 8 bietet Kunden mit Volumen-Limitierungen bessere Transparenz über den aktuellen Downloadverbrauch. Dies betrifft in erster Linie Funknetzkunden mit UMTS- oder LTE-Technik, die oft nur wenige GB pro Monat ungedrosselt laden dürfen – und laden heisst ja nicht nur „downloaden“, sondern auch Lesen von HTML-Seiten oder Betrachten von Fotos und Videos.

Nach Rechtsklick auf das eigene Funknetz zeigt Windows 8 die Option „Geschätzte Datenverwendung anzeigen“. Diese liefert dann das Downloadvolumen der letzten Tage. Der Zähler lässt sich jederzeit, etwa am Monatsanfang, auf Null setzen.

Download-Schätzung
Windows 8 zeigt das Download-Volumen an.

Wer bei limitierten Verbindungen möglichst sparsam arbeiten will, hat zudem Option, das Funknetz als „Getaktete Verbindung“ festzulegen. Dies reduziert laut Microsoft das Downloadvolumen.

Funknetzoption "Als getaktete Verbindung"
Die Option "Als getaktete Verbindung" reduziert laut Microsoft das Download-Volumen.

Storage Pools (Festplattenverbund)

Mit Storage Pools will Microsoft über die seit Jahren unter Linux gebräuchliche Plattenvirtualisierung hinausgehen – sie sollen die Datensicherheit von RAID-Systemen mit einfacherer Bedienung und größerer Flexibilität verbinden. Das Feature nennt sich „Storage Pool“ und erscheint in der Windows-8-Systemsteuerung als „Speicherplätze“. Die weitere Menüführung ist in der aktuellen Consumer Preview noch englischsprachig.

„Speicherplätze“ kann

1. Festplatten von verschiedenen Schnittstellen (SATA, USB, SCSI, jedoch nicht mehr altes IDE oder PATA) zu einem „Storage Pool“ zusammenlegen. Dieser virtuelle Festplattenverbund lässt sich dann als ein zusammenhängender Plattenplatz (ein Laufwerk) im Explorer darstellen. Auf Wunsch kann RAID-ähnliche Redundanz eingestellt werden (siehe 2.).

2. auch eine einzelne Festplatte als „Storage Pool“ definieren und dann durch eine Art RAID-Partitionierung in zwei Hälften automatisch für Redundanz und Datensicherheit sorgen: Jede gespeicherte Datei erhält eine Kopie auf der anderen Hälfte des Datenträgers. Logisch, dass dabei – wie bei RAID 1 – nur noch die Hälfte der Datenträgerkapazität für den User nutzbar bleibt.

Storage Pools sind nicht abwärtskompatibel – ältere Windows-Versionen können den Inhalt nicht lesen und zeigen die Platten als unformatiert mit unbekanntem Dateisystem an. Alle Platten, die zu einem Space zusammengelegt werden, müssen dazu neu partitioniert werden.

Achtung: Der Aktion geht nur eine und eine eher dezente Warnung voraus. Nutzen Sie diese neue Funktion grundsätzlich nur mit leeren Datenträgern.

Speicherplätze
Der neue Systemsteuerungspunkt "Speicherplätze" erstellt einen virtuellen Datenpool, der Plattenplatz von einer, zwei oder mehreren physikalische Festplatten enthalten kann.

Nach diesen Klicks erscheint der unten abgebildete Dialog. Hier können Sie den neuen Pool mit Laufwerkskennung, Datenträgerbezeichnung und den gewünschten Redundanz-Einstellungen einrichten. Neben dem abgebildeten Systemsteuerungs-Applet ist auch die Windows Powershell mit den Cmdlets „Get-StoragePool“ und „Set-StoragePool“ zur Kontrolle und Konfiguration von Festplattenpools geeignet.

StoragePool unter Windows 8
Einstellungen für den neu zu erstellenden Storage Pool unter Windows 8