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Raspberry Pi: Linux gegen Windows

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Falls sich bei dem Namen „Windows“ ganz konkrete Vorstellungen einstellen, sollte man sich davon bei Windows 10 IoT Core erst einmal radikal verabschieden. Etwas mehr als den Kernel bringt dieses Windows „Core“ zwar schon mit, aber es ist von einem Desktop-Windows wesentlich weiter entfernt als etwa ein Raspbian von einem Ubuntu. Unterm Strich ist Windows IoT ausschließlich für die Headless-Steuerung via Netzwerk (SSH, Web-Oberfläche, Powershell) und vorwiegend für die Entwicklung eigener Projekte konzipiert. Wir erklären hier, was mit dem System auch ohne Programmierung mit dem Entwicklerwerkzeug Visual Studio 2015 anzustellen ist und wie es sich dabei im Vergleich zu Linux verhält.

1. System-Image für den Raspberry

Bei der Image-Auswahl und Bestückung der SD-Karte muss sich Windows IoT Core schon mal einige Punkteabzüge gefallen lassen. Den diversen, bereits funktional spezialisierten Linux-Varianten für den Raspberry steht genau ein Windows gegenüber und dessen Installation ist nicht überall trivial. Eine erste Hürde ist die nicht klar kommunizierte Tatsache, dass das aktuelle „Windows 10 IoT Core Release Image“ auf dem jüngsten Raspberry 3 noch nicht läuft. Wer die Downloadseite https://ms-iot.github.io/content/en-US/Downloads.htm ganz genau liest, kann dies vermuten, weil der Raspberry Pi 3 nur unter der Vorversion „Windows 10 IoT Core Insider Preview“ namentlich aufgeführt ist. Es kann gut sein, dass demnächst die normale Hauptversion auch den neuesten Raspberry unterstützt, aber Anfang Mai 2016 war dies noch nicht der Fall und wir mussten auf die Insider Preview ausweichen. Dabei ist es aber nicht nötig, am Insider-Programm von Microsoft teilzunehmen, weil auch der bewährte NOOBS-Installer der Raspberry Foundation diese Insider Preview einrichten kann (Download unter www.raspberrypi.org/downloads/noobs). Wenn Sie den Raspberry mit NOOBS booten und dann die Option „Windows 10 IoT Core“ wählen, holt sich NOOBS die aktuellste Preview von Windows IoT aus dem Netz. Eine flotte Internetverbindung ist ratsam, weil der Download circa 1825 MB umfasst.

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Installation mit NOOBS: Der Weg ist einfacher, benötigt kein Windows und umgeht das aktuelle Problem, dass der Raspberry 3 nur von der Windows IoT „Insider Preview“ unterstützt wird.

Wichtige Anmerkung: Beachten Sie, dass die beschriebene Einrichtung über NOOBS nicht die von Microsoft vorgesehene Installationsweise darstellt. Microsoft zielt nämlich auf eine enge Zusammenarbeit eines Windows-10-PCs mit der Raspberry-Platine. Beim Download des „Windows 10 IoT Core Release Image“ von https://ms-iot.github.io/content/en-US/Downloads.htm erhalten Sie ein ISO-Image, das Sie unter Windows 10 „Bereitstellen“ (Mounten) sollen, um anschließend die dort enthaltene MSI-Datei auszuführen. Dabei wird am Windows-Rechner das eigentliche Image (flash.ffu) entpackt, ferner zwei Hilfsprogramme eingerichtet – eines zum Schreiben des ffu-Images (IoTCoreImageHelper.exe), ein weiteres (WindowsIoTCoreWatcher.exe) zur besonders einfachen Verwaltung einer oder mehrerer Raspberry-Platinen mit Windows IoT.

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Überflüssiges Tool unter Windows: Der „Core Watcher“ wird am PC automatisch installiert, wenn Windows IoT via Windows auf SD-Karte geschrieben wird.

Dies mag den Eindruck erwecken, dass sich ein Raspberry mit Windows IoT nur über ein Windows 10 einrichten und bedienen lasse. Das ist aber falsch: Richtig ist nur, dass die Entwicklung eigener Programmierprojekte ein Windows 10 mit Visual Studio 2015 voraussetzen. Die Nutzung und Fernwartung eines Raspberry mit Windows Core funktioniert hingegen auch ohne diese Hilfsprogramme und ohne Windows-PC.

Hinweis zur Hardware: Der WLAN-Chip auf dem neuen Raspberry 3 wird von der Windows IoT Insider Preview nicht erkannt. Dieses Manko kann bei Erscheinen dieses Heft eventuell behoben sein. Wann genau das der Fall sein wird, das lässt sich der vagen Aussage „coming soon“ auf http://ms-iot.github.io nicht entnehmen.

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Die von Microsoft vorgesehene Installationsweise von Windows IoT: Hier ist ein Windows-Rechner notwendig, der mit einem speziellen Flash-Tool ausgestattet wird.

2. Erster Start: Was läuft auf dem Raspberry?

Falls am Raspberry Monitor und Maus angeschlossen sind, erscheint nach dem Start eine einfache Oberfläche, die nur eine wesentliche Information anbietet, nämlich die lokale IP-Adresse. Über das Zahnradsymbol ist nicht mehr zu erreichen als die Einstellung der Sprache. Der Punkt „Lernprogramme“ gibt auch nicht viel her. Generell ist die hübsche, aber praktisch funktionslose Oberfläche entbehrlich bis nutzlos. Der Raspberry mit Windows IoT wird komplett über das Netzwerk verwaltet.

Bei den automatisch gestarteten Standarddiensten hat Microsoft nichts Wesentliches ausgelassen. Das System und die Dateien auf dem System sind auf viele Wege zu erreichen:

* Der SSH-Server läuft. Der Raspberry ist von jedem Client-System via ssh administrator@192.168.0.22 (Beispiel) und dem Standardkennwort „p@ssw0rd“ erreichbar (Zahl 0 statt Buchstabe o!).

* Der Web-Server läuft: Die Verwaltungsoberfläche des Raspberry ist von jedem Client-System im Browser über http://192.168.0.22:8080 erreichbar (Beispiel). Die Standardauthentifizierung lautet wieder „Administrator“ und Kennwort „p@ssw0rd“

* Der FTP-Server läuft: Der Raspberry ist von jedem Client-System via FTP über seine IP-Adresse erreichbar. Hier ist der anonyme Zugriff ohne Authentifizierung vorgesehen. Freigegeben ist standardmäßig das Systemlaufwerk (C:\).

* Der Lanmanserver läuft: Spezielle Freigaben sind per SSH leicht einzurichten, die dann von jedem Client-System erreichbar sind. Sofort ab Installation, also ohne jede Einrichtung, sind die typischen administrativen Standardfreigaben (C$, D$) erreichbar – allerdings nur mit Windows-Clients.

* Das Windows Remote Management läuft: Somit kommen Windows-Client auch über die Windows Powershell an den Raspberry, die mehr Möglichkeiten bietet als die normale Kommandozeile Cmd (die bei SSH-Verbindung startet).

* Wer Windows IoT über einen Windows-10-Rechner installiert hat, erhält auf diesem Rechner zusätzlich den schon genannten „Windows IoT Core Watcher“ als Hilfsprogramm: Der spürt Raspberry-Platinen mit Windows IoT im lokalen Netz auf und bietet per Rechtsklick deren Verwaltungsoberfläche und die administrativen Datenfreigaben. Das Tool ist aber vollständig entbehrlich, wenn der Raspberry mit fester IP über ein Browser-Lesezeichen und die Datenfreigaben im Dateimanager des PCs zu erreichen sind.

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Verwaltungsoberfläche für Windows IoT: Mit der IP-Adresse des Raspberry kommen Sie mit jedem Browser an diese Zentrale. Sie informiert nicht nur, sondern erlaubt viele zentrale Eingriffe.

3. Windows IoT im praktischen Einsatz

Die ersten Maßnahmen auf einem Windows IoT unterscheiden sich nicht grundsätzlich von einem Linux-System auf dem Raspberry: Eine der wichtigsten Aktionen ist ein feste IP-Adresse für das Gerät, was Sie am besten zentral im Router erledigen. Damit ist das System per SSH oder Browser zuverlässig zu erreichen. Ob der Zugriff dann unter Linux mit (Beispiel)

ssh administrator@192.168.0.22

oder mit Putty/Kitty unter Windows erfolgt, spielt keine Rolle.

Zu empfehlen ist ferner ein individuelles Kennwort für das „Administrator“-Konto (vergleichbar mit root unter Linux). Dies kann der Befehl

net user administrator meinkennwort

auf der SSH-Konsole erledigen, ist aber auch auf der Verwaltungsoberfläche unter „Home -> Preferencies“ vorgesehen. An gleicher Stelle können Sie auch den Standard-Hostnamen „minwinpc“ individuell einstellen.

Windows IoT kann mit oder ohne Bildschirmoberfläche („headed“ oder „headless“) gestartet werden. Falls Sie kein eigenes Projekt planen, das eine Bildschirmausgabe vorsieht: Die Standardoberfläche des Systems und ein am Raspberry angeschlossener Bildschirm sind reichlich nutzlos. Für die Abschaltung gibt es ein Extra-Programm:

setbootoption.exe headless

Dies und ein Reboot schaltet die Oberfläche ab und bringt etwa 60 MB zusätzlichen Speicher (der Parameter „headed“ schaltet die Oberfläche jederzeit wieder ein). Einen Reboot lösen Sie am bequemsten über die gleichnamige Schaltfläche in der Verwaltungsoberfläche aus, aber natürlich funktioniert auch ein shutdown /r /t 0 auf der SSH-Konsole.

Neben dem überall funktionierenden SSH-Zugriff gibt es unter Windows auch noch den Remote-Zugang via Powershell (Beispiel):

net start WinRM
Set-Item WSMan:\localhost\Client\TrustedHosts -Value 192.168.0.22
Enter-PSSession -ComputerName 192.168.0.22 -Credential 192.168.0.22\Administrator

Die zweite Befehlszeile ist nur ein einziges Mal notwendig, um den Raspberry dem Windows-PC bekannt zu machen. Der erste Befehl ist nur einmal innerhalb einer Windows-Sitzung notwendig. Für die Eingabe des Kennworts nach dem dritten Befehl erscheint dann ein grafischer Dialog.

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Nur für Windows-Clients: Die Powershell kann sich am Raspberry anmelden und bietet etwas mehr Kommandozeilenkomfort als eine SSH-Verbindung (auf die Cmd-Shell).

Die Verwaltungsoberfläche liefert unter „Processes“ und „Performance“ einen guten Überblick über die Systemauslastung und über laufende Tasks, die sich hier auch beenden lassen. Ohne Monitorausgabe („headless“) sollte das pure Standardsystem deutlich unter 200 MB liegen. Bei Aufgaben als einfacher Datenserver liegt die CPU-Last bei 10 bis maximal 30 Prozent. Das sind Werte, die auch ein schlanker Debian-Server nicht signifikant unterbieten kann.

Auf der Seite „Processes“ lassen sich unter „Run command“ einzelne Kommandozeilen direkt übergeben, ohne dafür eine SSH- oder Powershell-Verbindung aufbauen zu müssen. Wenn es sich um einen Befehl des Kommandointerpreters Cmd handeln soll, muss dies in der Form „cmd /c [Befehl]“ erfolgen.

Wenn Sie beim Systemstart automatisch Programme starten (oder beenden) oder Umgebungsvariablen setzen wollen, nutzen Sie vorzugsweise die Datei IoTStartupOnBoot.cmd unter \Windows\System32. Diese wird, wie der Name anzeigt, beim Start automatisch berücksichtigt.

Leistungsmonitor der Verwaltungsoberfläche
Leistungsmonitor der Verwaltungsoberfläche: Das Mini-Windows erweist sich als ökonomische Basis für den Raspberry. Hier läuft ein Datentransfer; CPU und RAM zeigen noch viel Reserven.

4. Einrichtung eines einfachen Datenservers

Die Rolle eines einfachen lokalen Datenservers kann Windows IoT problemlos und mit sehr geringem Konfigurationsaufwand übernehmen. Dazu eignen sich externe USB-Geräte an den vier verfügbaren Ports. USB-Datenträger sind „hot plugable“, werden also im laufenden Betrieb gemountet – in aufsteigender Reihe der Windows-typischen Laufwerksbuchstaben. Um ein komplettes USB-Laufwerk E: für das Standardkonto „Administrator“ freizugeben, genügt ein einziger Befehl (Beispiel):

net share USB_2TB=e:\ /grant:administrator,full

Weitere Konten sind etwa mit

net user /add Sepp geheim

schnell eingerichtet und Netzfreigaben analog dem obigen Befehl zu gestatten, nur mit geändertem Kontonamen. Für die Korrektur eventuell fehlender lokaler Rechte auf Datenträgern ist das Tool icacls.exe an Bord.

Der FTP-Server, der standardmäßig Laufwerk C: anbietet, kann jeden beliebigen Pfad per FTP freigeben. Es genügt, den Dienst zunächst mit

kill ftpd*

zu beenden und dann mit der gewünschten Pfadangabe neu zu starten (Beispiel):

start c:\windows\system32\ftpd.exe e:\daten

Es gibt aber offenbar keine Möglichkeit, den FTP-Server auf ein bestimmtes Konto zu beschränken. Eine Öffnung für den Internet-Zugriff via Portfreigabe scheidet daher aus Sicherheitsgründen aus, und für den Zugriff im lokalen Netz reichen an sich die normalen Freigaben aus.

5. Windows IoT: Ohne Eigenentwicklung geht nicht viel

Die voranstehenden Abschnitte zeigen, dass Windows IoT auf dem Raspberry wesentliche Dienste automatisch mitbringt und mit etwas Erfahrung auf der Windows-Kommandozeile (Cmd) oder der Windows-Powershell gut übers Netzwerk zu verwalten ist – und zwar nicht nur über Windows, sondern auch über Linux oder Mac OS X (SSH und Browser). Alltagstaugliche Einsatzmöglichkeiten, wie wir sie von Linux-Systemen wie Raspbian, Open Media Vault, Openelec und zahlloser Software wie Kodi, Plex, Owncloud, Mediawiki kennen, sind aber nicht annähernd in Sicht. Die skizzierte Einrichtung als lokaler Datenserver (Punkt 4) ist das einzige alltagstaugliche Szenario, das sich mit dem purem Windows-IoT-System umstandslos realisieren lässt. Batch-Frickler können sich mit den angebotenen Kommandozeilen-Tools unter \Windows\System32 und dem Cron-ähnlichen Scheduler Schtasks sicher noch einige zusätzliche Komfortfunktionen hinzubasteln. Ein Hemmschuh ist dabei, dass nicht einmal ein Texteditor an Bord ist und somit Änderungen an Batch- oder Konfigurationsdateien immer über die Freigaben am Remote-PC erfolgen müssen.

Über diese engen Grenzen hinaus führt nur die Entwicklung eigener Programmierprojekte. Hier steht man allerdings mit einem Linux-Rechner komplett außen vor. Die Entwicklung benötigt einen Windows-10-Rechner mit Visual Studio 2015 (wobei aber die kostenlose Community-Edition ausreicht: www.visualstudio.com/de-de/downloads). Selbst Nutzer, die nur das eine oder andere schon existierende Beispielprojekt auf ihrem Raspberry ausprobieren wollen, kommen nur mit Hilfe von Windows ans Ziel: Die überall verfügbare Verwaltungsoberfläche im Browser sieht zwar unter „Apps -> Install package“ das Laden von Projekten auf den Raspberry vor, dazu müssen diese aber als Appx-Pakete vorliegen, was wiederum Visual Studio oder zumindest das Windows-Tool Makeappx erfordert.

Ist auf einem Windows-10-PC Visual Studio installiert, ist der Transport von Projekten auf den Raspberry hingegen recht einfach: Die Sammlung mit den Demo-Projekten unter https://github.com/ms-iot/samples lässt sich mit der Schaltfläche „Download ZIP“ rechts oben komplett herunterladen. Nach dem Entpacken des Archivs genügt ein Doppelklick auf die SLN-Datei des gewünschten Projekts, der das verknüpfte Visual Studio startet und dort automatisch den Debug-Modus und die ARM-Systemarchitektur einstellt (in der Tool-Leiste oben). Daneben muss dann nur noch unter „Device“ die Option „Remotecomputer“ gewählt werden, wobei der Raspberry erkannt und automatisch angeboten wird und ein Klick auf „Auswählen“ das Ziel festlegt. Danach genügt „Erstellen -> [Projektname] erstellen“ zum Kompilieren des Projekt und anschließendes „Erstellen -> [Projektname] bereitstellen“, um das Projekt auf den Raspberry zu befördern. Die Verwaltungsoberfläche zeigt unter „Apps -> Installed Apps“ alle Projekte in einer Dropdown-Liste an. Das jeweils ausgewählte starten Sie dort mit der Schaltfläche „Start“ oder löschen es wieder mit der Schaltfläche „Remove“.

Die meisten der bislang vorliegenden Projekte haben Demo-Charakter, um die technischen Möglichkeiten und den zuständigen Programmcode anzuzeigen. Praxistaugliche und für größere Zielgruppen zu empfehlende Lösungen sind bislang nicht in Sicht.

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Entwicklung nur unter Windows: Ohne Visual Studio 2015 geht gar nichts. Die bisher vorliegenden Projekte sind eher didaktische Bastlerdemos als massentaugliche Alltagslösungen.

 

Windows-Reparaturen

Windows 7 und 8 sind stabile Systeme. Trotzdem ist es beruhigend zu wissen, dass es bei Pannen ein ganzes Arsenal an Reparaturfunktionen gibt. Ein stotterndes Windows ist noch lange nicht tot, Ihre Benutzerdaten schon gar nicht.

Es ist erfreulich, dass die Systemkatastrophen seltener werden. Andererseits führt das dazu, dass Windows-Nutzern die Pannen-Kompetenz abhanden geht. Da wird dann schon bei harmlosen Problemen schnell formatiert und neu installiert. Falsch: Lesen Sie hier, welche weitreichenden Reparaturen Windows und das Windows-Zweitsystem beherrschen (WinRE: Windows Recovery Environment).

1. Datenrettung mit „Vorgängerversionen“ in Windows 7

Alle Windows-7-Editionen besitzen eine stille Backup-Funktion von Benutzerdateien, die Microsoft in Windows 8 wieder abgeschafft hat. Die Funktion arbeitet so dezent im Hintergrund, dass viele Windows-Benutzer sie offenbar schlicht übersehen oder vergessen. Deshalb hat Microsoft diese „Vorgängerversionen“ unter Windows 8 durch die aktivere Komponente „Dateiversionsverlauf“ ersetzt. Die ist zwar voll in Ordnung, aber die Lösung unter Windows 7 ist mindestens ebenbürtig.

Benutzerdateien wiederherstellen: Mit den „Vorgängerversionen“ können Sie verlorene Benutzerdateien (Text, Musik, Bilder) wiederherstellen oder defekte durch ältere, bessere Dateiversionen ersetzen. Das Zurückschreiben funktioniert nach einem Rechtsklick auf Ordner und Dateien mit der Option „Vorgängerversionen wiederherstellen“. Wenn Sie diese anklicken, erhalten Sie ein Fenster, das die verfügbaren Kopien mit Datumsangabe auflistet. Nachdem Sie eine Version markiert haben, können Sie diese Vorgängerversion im Explorer anzeigen („Öffnen“), an einen Ort Ihrer Wahl speichern („Kopieren“) oder an den ursprünglichen Ort zurückspeichern („Wiederherstellen“).

Komplett gelöschte Dateien oder Ordner können Sie natürlich nicht rechts anklicken. Hier wählen Sie „Vorgängerversionen wiederherstellen“ für den übergeordneten Ordner, klicken bei der gewünschten Version auf „Öffnen“ und ziehen nun Datei oder Ordner aus dem Explorer-Fenster an ein Ziel Ihrer Wahl.

Die Funktion berücksichtigt nur Änderungen: Gibt es keine älteren Versionen, dann wurde die Datei offenbar nie geändert. Bei jeder Datei, die Sie mindestens einmal geändert haben und die mindestens einen Wiederherstellungspunkt erlebt hat (sich also länger als einen Tag auf der Festplatte befindet), finden Sie eine oder mehrere ältere Versionen.

Einstellungen prüfen: Der Umfang der gesicherten Daten richtet sich nach den Werten, die unter „Computerschutz“ für die Partitionen eingestellt sind. Welche Laufwerke diesen Schutz erhalten sollen und in welchem Umfang (Plattenplatz), können Sie unter „Systemsteuerung –> System –> Computerschutz “ selbst bestimmen.

Sollte dort der Schutz für ein Laufwerk ausgeschaltet sein („Aus“), auf dem wichtige Benutzerdateien liegen, markieren Sie es in der Liste und klicken auf „Konfigurieren“. Im folgenden Fenster wählen Sie die Option „Systemeinstellungen und vorherige Dateiversionen wiederherstellen“. Darunter können Sie mit dem Schieberegler einstellen, wie viel Speicherplatz dadurch maximal belegt werden darf. Sicherheitsbewusste können bis zu 20 Prozent investieren. Ist der erteilte Platz nach einiger Zeit belegt, werden automatisch die ältesten Sicherungen gelöscht.

Systemschutz
„Vorherige Dateiversionen“ unter Windows 7: In dieser Windows-Version lohnt sich ein großzügig eingestellter Systemschutz auch auf Datenpartitionen.

2. Systemreparatur im laufenden System

Bei Software- oder Systemfehlern, die Windows nicht am ordnungsgemäßen Start hindern, verwenden Sie die eingebaute Systemwiederherstellung. Sie finden diese wichtige Funktion unter „Systemsteuerung –> System –> Computerschutz –> Systemwiederherstellung“. Windows bietet hier von sich aus den letzten Wiederherstellungspunkt an, Sie können sich aber auch ältere anzeigen lassen. Mit Markieren des Eintrags und „Weiter“ setzen Sie das System auf diesen früheren Zustand und beseitigen damit akute Probleme, die Sie sich durch eigene Konfigurationsfehler oder eine Software-/Treiber-Installation eingehandelt haben. Die Maßnahme berücksichtigt Systemordner, den Programme-Ordner sowie die Registry und ist eine zuverlässige Methode, um akute Fehler zu beseitigen.

Tipp: Stellen Sie unter „Computerschutz“ unbedingt sicher, dass der Schutz mindestens auf der Systempartition aktiv ist – also „Ein“ anzeigt. Sie verbessern die Systemsicherheit zusätzlich, wenn Sie vor systemrelevanten Aktionen manuell einen Wiederherstellungspunkt anlegen. Dies geschieht unter „Systemsteuerung –> System –> Computerschutz“ mit der Schaltfläche „Erstellen“.

Hintergrund zum Computerschutz: Einmal täglich und wenn Updates und Installationen dies fordern, macht Windows einen Snapshot geänderter Systemdateien. Windows 7 berücksichtigt dabei auch Benutzerdateien (siehe Punkt 1) Um den Platzbedarf zu minimieren, speichert Windows in diesen Snapshots nur die geänderten Blöcke von Dateien und Ordnern, die sich seit dem letzten Systemwiederherstellungspunkt ergeben haben. Speicherort ist der versteckte und selbst mit Admin-Rechten unzugängliche Ordner „System Volume Information“ auf jeder Partition.

3. Erweiterte Startoptionen nach F8

Wenn Windows 7 oder 8 nicht mehr startet, nutzen Sie den „Abgesicherten Modus“ oder „Computer reparieren“ (Standard-Notfallsystem). Nach den Bios-Routinen kommen Sie beim Systemstart mit Taste F8 an den Bildschirm „Erweiterte Startoptionen“ mit einem textbasierten Menü, wo Sie mit Cursor-Taste die gewünschte Option auswählen.

F8 drücken? Das ist leichter gesagt als getan: Wenn auf Ihrem PC nur ein Windows-System vorhanden ist und folglich kein Bootmanager-Auswahlmenü erscheint, ist es schwierig, den richtigen Moment für F8 abzupassen: Während der Bios-Initialisierungen ist es zu früh, sobald der Windows-Kernel lädt, zu spät. Drücken Sie daher gleich nach dem Einschalten des PC mehrfach F8.

Tipp: Wenn Sie einen um zwei Sekunden verlängerten Systemstart akzeptieren können, hilft ein Trick. Sie erzeugen auf der Kommandozeile mit Admin-Rechten und den Befehlen

bcdedit /copy {current} /d "Dummy-OS"
bcdedit /timeout 4

einen zweiten Eintrag im Bootmanager. Somit bleiben immer vier Sekunden, um mit [F8] die „Erweiterten Startoptionen“ zu aktivieren.

ErweiterterStart
Reparaturoptionen nach F8: Am wichtigsten sind „Computer reparieren“ und „Abgesicherter Modus“. Das Menü zeigt weitere unten noch weitere Debug-Optionen.

4. Immer erst den „Abgesicherten Modus“ versuchen

Mit dem „Abgesicherten Modus“ starten Sie immer noch das Windows-Hauptsystem, allerdings mit wenigen Standardtreibern und ohne Software-Autostarts. Äußerlich erkennen Sie ein abgesichertes Windows sofort an der ungewohnten Bildschirmauflösung. Der Modus ist das ideale Instrument, um Treiber- und Software-Probleme zu beheben, also durch De-Installation wieder vom System zu schaffen. Wenn Sie sich unschlüssig sind, welche Komponenten im Geräte-Manager (Hardware-Treiber) oder unter Systemsteuerung –> Programme und Features“ (Software) zu entfernen sind, können Sie im „Abgesicherten Modus“ die Systemwiederherstellung starten und darauf vertrauen, dass diese einen jüngst installierten Störenfried zuverlässig beseitigt.

5. „Computer reparieren“: Zweitsystem WinPE

Auf jeder Windows-Setup-DVD, aber auch auf der Festplatte unter \Recovery befindet sich das Zweitsystem „Windows Recovery Environment“ (WinRE), das ein kaputtes Windows von außen reparieren kann. WinRE basiert auf dem Minisystem Windows PE („Windows Preinstallation Environment“). Um die Begrifflichkeit zu vereinfachen, sprechen wir generell von WinPE.

Sie starten WinPE, indem Sie nach [F8] unter “Erweiterte Startoptionen“ den Eintrag „Computer reparieren“ wählen. Damit lädt WinPE und zeigt Reparaturoptionen. Die Darstellung unterscheidet sich zwischen Windows 7 und 8 erheblich, funktional sind sich die beiden Zweitsysteme aber sehr ähnlich.

Startumgebung reparieren: Die „Systemstartreparatur“ in WinPE von Windows 7 durchsucht die Festplatten nach Windows-Installationen und erneuert dann die Startumgebung entsprechend. Diese Möglichkeit sollten Sie ausprobieren, wenn das BIOS nach dem Start kein Betriebssystem findet.

Im verschachtelten WinPE von Windows 8 finden Sie diese Systemstartreparatur unter „Problembehandlung –> Erweiterte Optionen –> Automatische Reparatur“.

Wiederherstellungspunkt zurückschreiben: Der nächste Punkt in WinPE von Windows 7 lautet „Systemwiederherstellung“. Hier können Sie vom Zweitsystem aus das defekte Hauptsystem auf einen älteren Zustand zurücksetzen. Das funktioniert genauso wie bei Systemwiederherstellung im laufenden Hauptsystem, indem Sie den jüngsten Wiederherstellungspunkt oder einen anderen auswählen und auf „Weiter –> Ja“ klicken.

Im WinPE von Windows 8 finden Sie den Punkt unter „Problembehandlung –> Erweiterte Optionen –> System wiederherstellen“.

Gesamtsicherung zurückschreiben: Mit der „Systemabbild-Wiederherstellung“ in WinPE von Windows 7 können Sie ein defektes System durch ein früher gesichertes Systemabbild ersetzen. Das setzt voraus, dass Sie über „Systemsteuerung –> Sichern und Wiederherstellen“ (Windows 7) oder „Systemsteuerung –> Windows 7-Dateiwiederherstellung“ (Windows 8) in jüngerer Vergangenheit die Sicherungsfunktion „Systemabbild erstellen“ ausgeführt haben.

Im WinPE von Windows 8 finden Sie den Punkt unter „Problembehandlung –> Erweiterte Optionen –> Systemimage-Wiederherstellung“.

Eingabeaufforderung: Dieser Punkt ist in vielen Fällen der wichtigste. WinPE hat zwar keinen grafischen Dateimanager, aber mit der Eingabeaufforderung kommen Sie an alle Ordner und Daten und können Sie mit „Copy“, „Xcopy“ oder „Robocopy“ auf ein anderes Laufwerk transportieren. Außerdem starten Sie über den Prompt beliebige externe Hilfsmittel wie etwa einen Total Commander oder 7-Zip-Packer. Beachten Sie dabei aber die Einschränkungen von 64-Bit-Zweitsystemen (siehe unten, Anmerkung 1).

Im WinPE von Windows 8 finden Sie den Punkt unter „Problembehandlung –> Erweiterte Optionen –> Eingabeaufforderung“.

Win7RE
Notfallsystem von Windows 7: Der einfache Dialog bietet Zugang zur Systemwiederherstellung und mit der Eingabeaufforderung eine Startrampe für Tools.
Win8RE
Notfallsystem von Windows 8 (Montage): Hinter dem schickeren Outfit verbergen sich die Funktionen des Vorgängers. Hinzu kommen „Refresh“ und „Reset“.

6. Einen „Systemreparaturdatenträger“ erstellen

WinPE lässt sich problemlos auf externe Datenträger kopieren. Das ist ratsam, weil nicht nur Windows, sondern auch das auf Festplatte vorinstallierte WinPE defekt sein kann. Außerdem können Sie dieses mobile Minisystem bequem um zusätzliche Tools erweitern.

In Windows 7 finden Sie in der Systemsteuerung den Punkt „Sichern und Wiederherstellen“ und dort „Systemreparaturdatenträger erstellen“. Unter Windows 8 erscheint diese Option unter „Wiederherstellung –> Wiederherstellungslaufwerk erstellen“. Hier in Windows 8 ist es dann auch vorgesehen, als Medium CD, DVD oder ein USB-Laufwerk anzusteuern.

Workaround für Windows 7: Das ältere Windows 7 bietet für den Systemreparaturdatenträger nur CD und DVD an. Um das Zweitsystem wie unter Windows 8 auf einem beschreibbaren USB-Stick unterzubringen, sind einige Zwischenschritte nötig:

1. Sie kopieren WinPE zunächst wie vorgesehen mit dem Systemsteuerungs-Applet auf eine CD.

2. Sie verwenden in Imgburn die Option „Imagedatei von Disc erstellen“, um WinPE nun wieder in ein ISO-Image auf die Festplatte zurückzuholen.

3. Sie laden das ISO-Image mit Virtual Clone Drive als virtuelles Laufwerk.

4. Nun bearbeiten Sie mit „diskpart“ den eingelegten USB-Stick: Mit „list disk“ erfahren Sie die Kennnummer des Sticks, den Sie dann mit

select disk [Nummer des USB-Sticks]

auswählen und mit „clean“ komplett säubern. Achten Sie dabei unbedingt darauf, das richtige Laufwerk anzusprechen! Dann richten Sie mit „create partition primary“, wählen diese mit „select partition 1“ und machen Sie mit „active” boot-fähig. Mit

format fs=fat32
assign

formatieren Sie mit FAT32 und vergeben einen Laufwerkbuchstaben.

5. Nun kopieren Sie den Inhalt des ISO-Images – nicht die ISO-Datei! – auf den bootfähigen Stick, den Sie um beliebige Tools erweitern können. Achten Sie dabei auf die passende Architektur – 32 Bit oder 64 Bit.

Windows Recovery Environment
Erweitertes Notfallsystem: Das Notfallsystem WinPE bringen Sie unter Windows 8 mühelos, unter Windows 7 mit etwas Aufwand auf einen USB-Stick.
Wiederherstellungslaufwerk
Windows 8 bietet auch USB-Sticks an: Ein „Wiederherstellungslaufwerk“ auf USB-Stick richten Sie unter „Systemsteuerung –> Wiederherstellung“ ein.

7. Für Bastler: DISM erweitert das Notfallsystem

Das „Deployment Image Servicing and Management Tool“ Dism.exe gehört unter Windows 7 und 8 zum Standardinventar. Dieses Tool lädt den Inhalt von WIM-Dateien (Windows Images) in ein beliebiges Verzeichnis und schreibt Änderungen danach wieder in das Windows-Image zurück. Es ist das Standardwerkzeug für angepasste OEM- Setups von Windows 7 oder Windows 8 sowie für angepasste Notfallsysteme (WinPE).

Und damit sind wir beim Thema: WinPE-Systeme befinden sich immer in einer einzigen Datei: \Sources\Boot.wim auf externen Reparaturdatenträgern, \Recovery\[…]\Winre.wim auf der Festplatte. Daher ist es nicht ohne Umweg möglich, das WinPE zu verändern oder zu erweitern. Dism kann das: Es muss auf einer mit Administratorrechten gestarteten Cmd.exe genutzt werden. Mit

dism /Mount-Wim /Wimfile:G:\sources\boot.wim /index:1 /Mountdir:C:\wim

Der Befehl lädt das erste Image (“Index:1″) aus der WIM-Datei (unter G:\Sources) in das Zielverzeichnis C:\wim. Das Zielverzeichnis muss existieren und leer sein. „Index“ muss immer angegeben werden, obwohl die WIM-Dateien von Windows PE nur ein System beinhalten (anders als die Install.wim beim Setup). Der Vorgang kann dann je nach Quell-Laufwerk einige Zeit dauern, danach steht der Inhalt des Images im Verzeichnis C:\wim zur Bearbeitung bereit. Sie können sowohl den „Programme“-Ordner, noch besser „System32“ mit weiteren Tools bestücken. Achten Sie auch hier wieder auf die passende Architektur der Software– 32 Bit oder 64 Bit. Nützliche Kandidaten sind der Total Commander, ein Hex-Editor, einen Bildviewer oder ein Undelete-Werkzeug wie Recuva.

Nach den gewünschten Änderungen schreibt der folgende Befehl das komplette geänderte Image in die WIM-Datei zurück. Entscheidend ist der Schalter „/commit“:

dism /Unmount-Wim /Mountdir:C:\wim /commit

Dieser Befehl kann natürlich nur auf beschreibbaren Medien funktionieren.

Dism
Windows-Image mit Dism bereitstellen: Nach dieser Aktion liegen die Dateien des Mini-Systems im Zielordner und können mit dem Explorer bearbeitet werden.

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Anmerkung 1: Windows PE mit 32 Bit und 64 Bit
Beim Einsatz und beim manuellen Ausbau eines Windows-PE-Zweitsystems müssen Sie eine Eigenheit des Minisystems einkalkulieren: Anders als ein „großes“ 64-Bit-Windows bringt das 64-Bit-Notfallsystem kein Subsystem für 32-Bit-Software mit. Das heißt, dass Sie hier ausschließlich 64-Bit-Software starten sowie erfolgreich integrieren können. Wenn Sie 32-Bit-Software aufrufen, erhalten Sie eine Fehlermeldung, die klarste noch auf der Kommandozeile: „Das zum Unterstützen des Abbildtyps erforderliche Subsystem ist nicht vorhanden“.

Das vorinstallierte Notfallsystem auf der Festplatte hat immer dieselbe Architektur wie das Hauptsystem (siehe Basisinformationen nach [Win Pause]). Halten Sie daher eventuelle zusätzliche Tools wie den Total Commander immer in der richtigen Variante bereit.

Anmerkung 2: Registry mit Zweitsystem reparieren
Das Zweitsystem hat das Standardwerkzeug Regedit.exe an Bord, das beim Start zunächst die eigene Registry, also die des Zweitsystems anzeigt. Regedit kann aber auch auf die Registry des Hauptsystems zugreifen und diese bearbeiten. Dazu markieren Sie den Hauptschlüssel „Hkey_Local_Machine“ mit der Maus und wählen „Datei, Struktur laden“. Im daraufhin erscheinenden Dialog können Sie eine Registry-Datei vom Hauptsystem laden. Die Registry-Dateien befinden sich auf der Windows-Partition des Hauptsystems unter „\Windows\System32\config“. Hauptkandidat für Reparaturen bei ernsthaften Bootproblemen ist die Datei „SYSTEM“. Wenn Sie eine Registry-Datei in der beschriebenen Weise über „Struktur laden“ einlesen, fragt Sie Regedit nach einem Namen. Geben Sie etwa „ZZZ“, dann finden die importierte Datei unter „Hkey_Local_Machine\ZZZ“. Unter „ZZZ“ erscheint dann der importierte Registry-Teil des Hauptsystems mit allen Unterschlüsseln. Diese können Sie wie gewohnt bearbeiten. Wenn Sie anschließend „Datei, Struktur entfernen“ wählen, werden die Reparaturen in die defekte Datei des Hauptsystems zurückgeschrieben.

Diese Methode der Registry-Reparatur ist nur sinnvoll, wenn Sie von vornherein exakt wissen, wo der Fehler liegt, und ferner wissen, dass es sich um ein punktuelles Problem handelt, das mit einem manuellen Eingriff zu beseitigen ist. In der Regel trifft das nur für fehlerhafte Einträge unter „Hkey_Local_Machine\System\MountedDevices“ oder unter „Hkey_Local_Machine\System\CurrentControlSet“ zu.

Regedit.StrukturLaden
Regedit importiert Registry-Dateien aus anderen Windows-Installationen. Damit kann ein Zweitsystem die Registry-Fehler des Hauptsystems korrigieren.

Explorer-Hotkeys für Ansichtsoptionen

Windows 8 bietet ein paar praktische Tastenkombinationen zur Darstellung der Dateiobjekte im Explorer-Fenster, aber auch auf dem Desktop:

Strg-Shift-1|2|3|4|5|6|7|8

schaltet die Darstellung sofort um, wobei

Strg-Shift-6 die Detailansicht und

Strg-Shift-8 die Inhaltsansicht aktiviert.

Am Desktop ist die Inhaltsansicht auf anderem Wege nicht zu erreichen und bietet den entscheidenden Vorteil, dass die Icons zuverlässig links oben am Bildschirm positioniert werden.

Strg-Shift-F8-Desktop

Shell-Erweiterung 7z-Encryption

Klar hat jeder Vernunftbegabte das Unbehagen im Hinterkopf, wenn er unverschlüsselte Dateien in die Cloud stellt, die höchst private oder gar sensible Informationen enthalten. Aber wie es so oft läuft: Es ist im Moment einfach zu lästig und zeitaufwändig, extra ein Verschlüsselungs-Tool anzuwerfen…

So ging’s mir oft genug. Jetzt habe ich mal ein paar Stunden geopfert und eine technisch simple, trotzdem komfortable und einfache Lösung gebastelt. Sie basiert auf dem Open-Source-Packer 7-Zip, der eine sichere Verschlüsselung bietet, sofern das Kennwort ausreichend lang und komplex ist. Das Ergebnis liegt hier:
Für Windows: 7zEnc-Windows
Für Ubuntu: 7zEnc-Ubuntu
Für Linux Mint: 7zEnc-Mint

Zum Einsatz unter Windows:

  • Zip-Archiv entpacken
  • Den Ordner 7zEnc an einen beliebigen Ort verschieben, wo er dann dauerhaft bleibt
  • Die Datei 7zEnc_Register_[Als_Administrator].cmd starten (mit der Option „Als Administrator ausführen“)
  • Die Datei 7zEnc.cmd öffnen und das von mir voreingestellte Standardpasswort „linuX*Welt_2Ol5-05/HA“ zweimal ändern (also an beiden Stellen). Es darf auch länger werden. Das Längenlimit des 7-Zip-Kennworts ist mir nicht bekannt und war nicht zu recherchieren. Mein eigenes Kennwort hat derzeit 32 Zeichen. Länge und Komplexität sind deshalb kein Problem, weil Sie das Kennwort nicht manuell eingeben müssen.
  • Im Explorer steht nun nach Rechtsklick auf Ordner und Dateien das zusätzliche Kontextmenü „7z-Encryption“ bereit. Verschlüsselte Dateien erhalten die künstliche Extension 7zEnc. Daran erkennt die Shell-Erweiterung, wenn es Daten auspacken soll.

Sie haben 7-Zip sowieso an Bord?
Auch dann können Sie den oben beschriebenen Weg gehen. Nötig ist das aber nicht:
Es genügt, die beiden Batchdateien 7zEnc.cmd und 7zEnc_Register_[Als_Administrator].cmd in das Programmverzeichnis von 7-Zip zu kopieren. Dort laden Sie dann die Batchdatei 7zEnc_Register_[Als_Administrator].cmd und setzen das eigene Kennwort in die 7zEnc.cmd ein…

Das kleine Tool ist unter Windows 7 und 8 explizit getestet und dort seit Jahren erfolgreich im Einsatz. Es gibt aber keinen plausiblen Grund, warum es unter XP und Vista nicht laufen sollte.

Zum Einsatz unter Ubuntu:
Installieren Sie zunächst, sofern noch nicht geschehen, den 7Zip-Packer sowie das Tool Nautilus-Actions. Bei letzterem handelt es sich um ein Konfigurationswerkzeug für den Ubuntu-Dateimanager Nautilus:
sudo apt-get install p7zip-full
sudo apt-get install nautilus-actions
Starten Sie dann das Nautilus-Actions Configuration Tool über das Dash (Super- oder Windows-Taste). Es findet sich dort als „Einstellungen für Nautilus-Aktionen“. Über „Werkzeuge -> Importassistent“ lesen Sie dann die beiden Dateien mit der Endung .desktop, die Sie über den oben genannten Download erhalten. Klicken Sie dann auf den „Speichern“-Button in der Werkzeugliste oben links.
Der Dateimanager Nautilus zeigt nun nach Rechtsklick auf ein Dateiobjekt (Datei oder Verzeichnis) den neuen Eintrag „7z-Verschlüsseln“. Damit wird das Objekt automatisch im aktuellen Ordner mit dem Standardpasswort verschlüsselt, eingepackt und mit der Endung „.7zEnc“ versehen. Umgekehrt erkennt Nautilus gepackte Archive an der künstlichen Extension „7zEnc“ und entpackt sie mit dem Kontextmenü „7z-Entschlüsseln“ im aktuellen Verzeichnis. Ob die beiden neuen Kontexteinträge unter Nautilus separat auftauchen, können Sie in Nautilus-Actions über das Menü „Bearbeiten -> Einstellungen -> Laufzeiteinstellungen -> Nautilus-Menüanordnung“ steuern..
Wie unter Windows müssen Sie das voreingestellte Passwort durch ein persönliches ersetzen. Gehen Sie dazu in Nautilus-Actions auf die Registerkarte „Befehl“ und schreiben Sie nach „-p“ Ihr Wunschkennwort. Es muss wie das vorgegebene in einfachen Anführungszeichen stehen und für beide Einträge genau identisch sein.

Zum Einsatz unter Linux Mint:
Falls noch nicht geschehen, installieren Sie wie unter Ubuntu beschrieben den 7z-Packer nach. Der Standard-Dateimanager Nemo unter Mint braucht dann keine weitere externe Hilfe. Es genügt, unter /home/[user]/.local/share/nemo/actions einige Scripts zu hinterlegen. Falls dieser Ordner noch nicht existiert, legen Sie ihn einfach manuell an. Für die zusätzlichen benutzerdefinierten Kontextmenüs benötigen Sie jeweils eine Datei mit der Endung .nemo_action und für unseren Fall noch zwei winzige Shell-Scripts. Alle vier Dateien erhalten Sie über den oben genannten Download. Kopieren Sie diese einfach nach ~/.local/share/nemo/actions. Damit ist die bequeme Verschlüsselung sofort einsatzbereit.
Unter Mint gilt wie schon für Windows und Ubuntu angesprochen: Sie müssen unser vorgegebenes Passwort durch ein persönliches ersetzen. In diesem Fall geschieht dies in den beiden Shell-Scripts 7z-Entschlüsseln.sh und 7z-Verschlüsseln.sh.

Wenn Sie mehrere PCs und Notebooks verwenden, richten Sie die 7z-Verschlüsselung zum bequemen Datenaustausch auf allen Geräten mit identischen Kennwort ein. Sollten Sie irgendwann die Notwendigkeit sehen, das Kennwort zu ändern, muss dies auf allen Geräten erfolgen. Außerdem müssen Sie alle bereits verschlüsselten Archive zunächst mit dem alten Kennwort auspacken.

Hyper-V

Hyper-V

Erstmals liefert Windows 8 mit Hyper-V eine Virtualisierungssoftware gleich mit – eine exzellente Systembeilage. Hyper-V gibt es allerdings nur in der Windows-8-Professional-Edition. Die Software erlaubt das Anlegen, Ändern und Starten virtueller Gastsysteme unter Windows 8. Dabei bevorzugt Hyper-V Windows-Gastsysteme, unterstützt aber auch namhafte Linux-Distributionen.

Voraussetzungen und Installation
Hyper-V erfordert die 64-Bit-Variante von Windows-8 Pro, weil es AMD/Intel-Virtualisierungsfunktionen für x64-Prozessoren nutzt. Wenn Sie Windows 8 auf einem älteren 64-Bit-Rechner installiert haben, können Sie mit „systeminfo“ vorab prüfen, ob die CPU den Anforderungen entspricht: Am Schluss der Anzeige sollten Sie neben „Anforderungen für Hyper-V“ viermal ein „Ja“ sehen. Der PC sollte außerdem mit mindestens vier GB RAM bestückt sein – mehr ist besser.
Hyper-V ist standardmäßig abgeschaltet und muss über „Systemsteuerung –> Programme und Features –> Windows-Features aktivieren oder deaktivieren“ erst mal nachinstalliert werden. Klicken Sie in dieser Liste auf „Hyper-V“, und bestätigen Sie mit „OK“. Nach dem nächsten Windows-Start finden Sie den „Hyper-V-Manager“ am Startbildschirm. Es handelt sich dabei um die Management-Konsole Virtmgmt.msc, die allerdings nur Bedienung und Oberfläche bereitstellt und auf neu installierten Diensten basiert.

Virtuellen Netzwerk-Adapter einrichten
Bevor Sie virtuelle Computer starten oder installieren, sollten Sie mindestens einen virtuellen Switch anlegen – also eine virtuelle Netzwerkschnittstelle für die Gastsysteme. Der betreffende Punkt findet sich rechts unter „Aktionen“ und nennt sich „Manager für virtuelle Switches“. Wählen Sie unter „Neuer virtueller Switch“ die Voreinstellung „Externes Netzwerk“: Diese offenste Variante ist notwendig, wenn die Gastsysteme eine Verbindung nach außen herstellen, also etwa auch ins Internet gehen sollen.-

Ein virtuelles System konfigurieren
Markieren Sie in der linken Spalte unter „Hyper-V-Manager“ den Namen des aktuellen Rechners. Nun erstellen Sie rechts in der Spalte „Aktionen“ erstellen mit „Neu –> Virtueller Computer“ ein neues virtuelles System. Dabei hilft Ihnen einen Schritt-für-Schritt-Assistent. Sie können aber alle hier getroffenen Einstellungen später noch korrigieren:
Unter „Name und Pfad eingeben“ genügt ein sprechender Name – etwa „Ubuntu 12.10“.
Unter „Speicher zuweisen“ geben Sie eine angemessene RAM-Kapazität an, etwa 2 GB für aktuelle Windows-Systeme.
Unter „Netzwerk konfigurieren“ korrigieren Sie die Vorgabe „Nicht verbunden“ auf den vorher eingerichteten virtuellen Switch.
Unter „Virtuelle Festplatte verbinden“ gibt es eine Anzahl von Optionen. Wir beschreiben hier den insbesondere bei der Erstbenutzung von Hyper-V wahrscheinlichsten Fall: Da noch keine virtuelle Festplatte (Virtual Hard Disk mit der Erweiterung VHD) für Hyper-V vorhanden ist, werden Sie in diesem Dialog die erste Option verwenden wollen – „Virtuelle Festplatte erstellen“. Alle Angaben zu Name, Pfad und Größe können Sie unverändert übernehmen.
Klicken Sie dann auf den Unterpunkt „Installationsoptionen“, und aktivieren Sie dort die Option „Betriebssystem von startfähiger CD/DVD-ROM installieren“. Hier gibt es eine weitere Fallunterscheidung, je nachdem, ob das zu installierende System von einer echten DVD installiert wird oder von einem ISO-Image. Letzteres ist inzwischen sowohl bei Windows-Installationen wie bei Linux-Systemen deutlich verbreiteter. Geben Sie, sofern die Installation von ISO erfolgt, den kompletten Pfadnamen des ISO-Images an. Die Schaltfläche „Durchsuchen“ vereinfacht Ihnen die Eingabe.
Das war dann auch schon der letzte und komplizierteste Schritt: Sie können die Konfiguration des virtuellen Systems jetzt mit „Fertig stellen“ abschließen. Eventuelles Feintuning der virtuellen Systeme ist jederzeit nach Rechtsklick über die „Einstellungen“ möglich.

Hyper-V: Neue virtuelle Maschine einrichten

Virtuelle Systeme starten und nutzen
Um das konfigurierte System zu starten und gegebenenfalls zu installieren, klicken Sie unter „Virtuelle Computer“ mit rechter Maustaste auf das System und wählen erst „Verbinden“ und nach erneutem Rechtsklick die Option „Starten“. Schon kann’s losgehen – das Gastsystem startet in einem Fenster am Windows-8-Desktop. In diesem Fenster bedienen oder installieren Sie es wie gewohnt und können es mit seiner eigenen Oberfläche auch wieder beenden.
Zum Steuern von außen hilft das Hyper-V-Fenstermenü „Aktion“: Hier finden Sie neben „Ausschalten“, „Herunterfahren“ und „Neu starten“ auch noch „Anhalten“ und „Snaphot“. Beim „Anhalten“ werden dem Gastsystem sämtliche CPU-Ressourcen entzogen – sie friert im aktuellen Zustand ein und gibt dadurch dem Windows-8-Hostsystems die volle Rechenpower. Der Speicherinhalt des Gastsystems bleibt aber erhalten, und das virtuelle System läuft nach dem „Fortsetzen“ sofort weiter.
Die Aktion „Snaphot“ ist das Mittel der Wahl, um ohne Risiko Experimente mit Software oder Konfigurationsänderungen anzustellen. Sollte das Experiment schiefgehen, kehren Sie mit „Zurücksetzen“ auf den zuletzt gespeicherten Snapshot zurück.

Fast Boot abschalten

Der hybride Ruhezustand ist ein Problem auf Multiboot-Umgebungen, aber auch dort, wo der Rechner ab und an mit einem Zweitsystem gestartet wird: Für zugegeben deutlich schnelleren Systemstart riskiert man ein defektes Dateisystem. Greift das andere System schreibend auf die NTFS-Partition von Windows 8 zu, drohen beim späteren Windows-8-Start langwierige Checkdisk-Reparaturen, die Fast Boot zeitlich nie mehr einspielen wird.

Der jüngst erlebte Pannenfall auf einer Dualboot-Konfiguration mit Windows 7 / Windows 8 kostete aber nur Zeit und verlief insgesamt noch glimpflich: Windows 8 konnte das Dateisystem offenbar noch reparieren. Es kann passieren, dass dann gar nichts mehr geht.

Ich habe Fast Boot umgehend abgeschaltet. Wie das geht, habe ich an anderer Stelle neutral beschrieben. Nach den jüngsten Erfahrungen empfehle ich das als MUSS auf Multiboot-Systemen.

Tipps zu Windows RT

Windows RT – früher Windows on ARM – ist das Windows für ARM-Architektur.
Entscheidender Nachteil gegenüber dem großen Windows 8: Es kann nur Apps für die Windows-Runtime-API ausführen, klassische x86/x64-Windows-Programme sind nicht kompatibel.

Windows-RT-Tablets sind ideale Geräte zum Lesen, Surfen, Twittern, Skypen, Shoppen, Multimediakonsum, einfache Spiele. Als Produktivgerät taugen sie nicht. Immerhin lässt sich Windows RT an vielen Ecken tunen, und an einigen ist es dringend nötig. Crux ist vor allem eine unfertige Modern UI, die den Benutzer zur Old UI schickt. Die folgenden Tipps basieren auf der Erfahrung mit einem Asus Vivo Tab mit Windows RT.

Limits von RT-Tablets
Ein Tablet mit Windows RT ist aus mehreren Gründen kein Notebook-Ersatz: Das Display ist zu klein und die Bedienung selbst mit Tastatur und externer Maus nicht mit der auf Notebooks oder gar Desktop-PCs vergleichbar. RAM-Speicher und Festplatte setzen klare Grenzen für Software, Multitasking und Datenvolumen. Außerdem unterstützt Windows RT abgesehen vom vorinstallierten Office 2013 und dem Microsoft-Browser kaum produktive Büro-, Bildbearbeitungs- oder DTP-Software.
Wer klassische Windows-Software auf einem Tablet benötigt, muss zu einem Gerät wie Microsoft Surface Pro mit vollwertigem Windows 8 greifen. Dort gelten dann freilich dieselben Einschränkungen beim Display und der Bedienung.

Teure Tastatur braucht nicht jeder
Die Tastatur kostet bei Tablets wie dem Microsoft Surface oder dem Asus Vivo Tab zusätzliche 100 bis 130 Euro. Dafür gibt es eine optisch und technisch genau angepasste Tastatur mit speziellem Anschluss an das Tablet. Je nach Anspruch an das Tablet kann man sich diese Investition aber sparen: Jede beliebige USB-Tastatur aus dem Keller tut es für gelegentliche Arbeiten und zum Konfigurieren des Windows-Tablets auch.

Konfiguration mit externer Tastatur
Für die Erstkonfiguration werden Sie persönliche Ordner erstellen, Verknüpfungen anlegen und in der Systemsteuerung sowie den PC-Einstellungen diverse Anpassungen vornehmen wollen. Für das Einrichten des Geräts empfiehlt sich aus mehreren Gründen eine externe Tastatur.
1. Die Bildschirmtastatur fordert die Hälfte des Displays und behindert dadurch die Übersicht.
2. Die Bildschirmtastatur erscheint nur auf der Modern UI automatisch, sobald man ein Eingabefeld bearbeitet. Auf dem Desktop müssen Sie diese immer explizit starten.
3. Die Bildschirmtastatur ist zum Schreiben ganz komfortabel, aber umständlich für Aktionen wie Kopieren und Einfügen. Für Sonderzeichen wie Backslash oder Doppelpunkt, wie sie beim Einstellen von Pfadangaben ständig anfallen, müssen Sie außerdem ständig den Eingabemodus mit „&123“ wechseln.

Bildschirmtastatur immer griffbereit
Wer keine externe Tastatur angeschlossen, braucht die Bildschirmtastatur stets griffbereit. In der Modern UI erscheint sie automatisch, und am Desktop gibt es für die Taskleiste eine spezielle Symbolleiste:
Aktivieren Sie durch Drücken auf die Taskleiste das Kontextmenü, und wählen Sie dort „Symbolleisten –> Bildschirmtastatur“. Über das kleine Icon starten Sie dann jederzeit die Tastatur.
Windows RT und 8 haben neben dieser neuen Tabtip.exe auch noch das alte Windows-Zubehör Osk.exe (On Screen Keyboard) an Bord. Das ist in vielen Fällen die bessere Alternative, weil es Windows-Tasten, Funktionstasten und Spezialtasten wie „Druck“ oder „Esc“ mitbringt.

Externe USB-Speicher nutzen
Für USB-Sticks und externe USB-Festplatten bietet Windows RT volle Unterstützung inklusive Stromversorgung. Das heißt, dass – wie von Windows gewöhnt – NTFS-, FAT32- und exFAT-formatierte Datenträger erkannt und genutzt werden können. Der USB-Anschluss sorgt außerdem für ausreichende Stromversorgung – eine Tatsache, die bei Apple- und Android-Tablets nicht selbstverständlich ist. Damit sparen Sie sich die Mitnahme eines lästigen USB-Hubs mit eigener Stromversorgung. Allerdings verringern angeschlossene USB-Geräten die Akkulaufzeit deutlich.

Automatisches Bildschirmdrehen verhindern
Wie auf Smartphones oder iPads kann das automatische Drehen des Displays um 90 oder 180 Grad auch auf Windows-8- und Windows-RT-Tablets nerven. Eine Abschaltoption ist auf Windows RT zwar vorhanden, aber alles andere als offensichtlich:
Schieben Sie die Charms-Leiste aus dem rechten Display-Rand, und wählen Sie „Einstellungen“. Wenn Sie auf „Bildschirm“ klicken, sehen Sie oberhalb der Helligkeitsskala ein kleines Bildschirmsymbol mit einem gebogenen Pfeil. Der soll das automatische Bildschirmdrehen symbolisieren. Mit einem Fingertipp auf dieses Symbol ist der Automatismus deaktiviert.

Adaptive Helligkeit abschalten
Auch dieser Automatismus kann nerven: Windows-RT-Tablets passen die Helligkeit des Displays an die äußeren Lichtverhältnisse an. Das soll den Stromverbrauch verringern und dem Benutzer immer ein gut lesbares Display bieten. Das klappt bei Tageslicht ganz gut, bei Nacht und künstlichem Licht eher nicht.
Wenn Sie mit der wechselnden Display-Helligkeit nicht zufrieden sind, sollten Sie die Funktion abschalten: Dazu öffnen Sie über die Charms-Leiste „Einstellungen –> PC-Einstellungen ändern –> Allgemein“. Hier finden Sie etwas weiter unten die Option „Bildschirmhelligkeit automatisch anpassen“, die Sie auf „Aus“ setzen.

Lautsprecherklang optimieren
Von winzigen Tablet-Lautsprechern darf man nicht das ganz große Klangvolumen erwarten. Trotzdem kommt mit etwas Nachhilfe mehr Druck auf die Ohren:
1. In der klassischen Systemsteuerung unter „Sound“ klicken Sie auf der Registerkarte „Wiedergabe“ auf „Lautsprecher“. Unter „Eigenschaften“ finden Sie auf der weiteren Registerkarte „Erweiterungen“ die Optionen der „Bassverstärkung“ und des „Lautstärkeausgleichs“.
2. Noch deutlich mehr erreichen Sie mit einem Player, der einen Equalizer anbietet. Die Musik-App hat nichts dergleichen und der klassische Windows Media Player wurde nicht nach Windows RT kompiliert. Auf der Suche im Windows Store nach einem Player mit Equalizer wird man aber inzwischen fündig: Der MediaMonkey von Ventis Media hat alles, was Sie von einem Musik- und Videoplayer erwarten – unter anderem auch einen Equalizer zur Bass- und Höhenverstärkung. Der Player ist kostenlos, hat aber eine abgeschaltete, kostenpflichtige Sync-Funktion.

Equalizer

Den Desktop bedienbar machen
So angenehm die Bedienung der Kacheloberfläche sein mag, umso mühsamer ist der Gang zum Desktop auf Windows-Tablets. Die winzigen Schaltflächen sind ohne präzise Maus kaum zu treffen. Das Ändern der nativen Auflösung von 1366 x 768 ist nicht zu empfehlen, aber eine ganze Reihe kleinerer Maßnahmen verbessert die Navigation wesentlich:
1. Unter „Systemsteuerung –> Anzeige –> Die Größe aller Elemente ändern“ können Sie Menüeinträge und Schriften durch Anheben des DPI-Werts vergrößern (Dots per inch). Der auf Tablets mögliche Maximalwert von „125%“ ist aber fast schon überdimensioniert für das kleine Display. Probieren Sie einen Zwischenwert wie 115 Prozent.
2. Erstaunlich hilfreich sind die kleinen Anpassungen im selben Dialog unter „Nur die Textgröße ändern“. Besonders „Menüs“, „Titelleisten“ und „Palettentitel“ verdienen größere Schriftgrößen als voreingestellt.
3. Im Windows-Explorer verbieten sich viele PC-Gewohnheiten: Der Navigationsbereich und die Ansichtsoptionen „Details“ und „Liste“ sind praktisch unbenutzbar. Als fingerfreundlich und dabei übersichtlich erweist sich die Ansicht „Inhalt“ – insbesondere nach den Schritten 1 und 2. Am besten setzen Sie diese Ansicht zum Standard via „Ansicht –> Optionen –> Ansicht –> Für Ordner übernehmen“.
4. Denken Sie daran, dass auch am Desktop einige Programme das-Zoomen mit zwei Finger beherrschen: Die Office-13-Komponten können das stufenlos, der Explorer reagiert immerhin mit dem Wechsel der Ansichtsoption.
5. Versetzen Sie die Taskleiste am besten an den rechten Rand (via „Eigenschaften –> Position der Taskleiste“) und verwenden Sie sie nur für absolut notwendige Desktop-Programme. Auch der Desktop-Hintergrund ist auf dem kleinen Display kein geeigneter Startplatz: Es ist unter Windows RT ungleich einfacher und bedienungsfreundlicher, den Startbildschirm als Startrampe auszubauen.

Datei-Manager für die Modern UI
Mit den Desktop-Tipps oben wird der Explorer bedienbar – mit diversen Vorteilen, die er gegenüber anderen Datei-Managern bietet. Trotzdem lohnt sich die Umschau im Windows Store nach Alternativen auf der Kacheloberfläche. Aktuell sind folgende Dateimanager zu empfehlen:
My Explorer“ von Guillermo Rueda arbeitet überwiegend mit Favoriten, die sich der Benutzer selbst einrichtet. Was fehlt, ist ein eingebauter Skydrive-Zugriff.
Files & Folder“ von Boo Studio ist mittlerweile nicht mehr kostenlos (4,99 Euro): Der attraktive Manager bietet eine gute Vorschau, Skydrive-Zugriff, ist aber etwas langsam.
Metro Commander“ stammt ebenfalls von Boo Studio, ist kostenlos, lässt sich aber einzelne Features häppchenweise bezahlen (1,69 Euro pro Stück). Ein paar Euro ist der zweispaltig organisierte Manager mit Drag & Drop, Skydrive-Zugriff und Favoritenleiste aber allemal wert.

Desktop-Kosmetik für Bastler
Windows 8 und RT haben zwei Oberflächen. Deren Bedienkonzept können Sie nicht vereinheitlichen, aber deren Optik:
Verkleinern Sie am Startbildschirm die Gruppen mit zwei Fingern oder Klick auf das kleine Minus ganz unten rechts. Dann fotografieren Sie den Bildschirm mit der Taste [Druck].
Fügen Sie das Bild über „Einfügen“ oder [Strg-V] in eine beliebige Bildbearbeitung wie etwa Windows Paint ein. Danach kopieren Sie nach Wunsch den farbigen Hintergrund über die verkleinerten Gruppen, um diese zu überdecken.
Das Resultat speichern Sie im JPG-Format und verwenden es via „Systemsteuerung –> Anpassung“ als Desktophintergrund.

Der Internet Explorer
Unter Windows RT gibt es momentan nur einen Browser –den Internet Explorer. Damit kann man zwar flott surfen, aber die Favoriten-Verwaltung der RT-Variante ist untauglich und die Desktop-Variante hat die bekannten Bedienprobleme. Ein praktikabler Lösungsvorschlag:
1. Exportieren Sie die Lesezeichen Ihres Lieblingsbrowser – in Chrome etwa über Rechtsklick auf ein Lesezeichen und dann „Lesezeichen-Manager –> Organisieren –> Lesezeichen…exportieren“, in Firefox über [Strg Umschalt B] –> Importieren und Sichern –> Lesezeichen…exportieren“.
2. Sie kopieren die HTML-Datei auf das Tablet und öffnen es mit Doppelklick im Internet Explorer. Danach tippen Sie recht unten auf das Stecknagel-Symbol und wählen „An Start anheften“.
3. Starten Sie den Browser künftig über die neue Kachel im Startbildschirm und damit mit Ihrer Bookmark-Datei.
Wenn Sie eine eigene Web-Seite haben, können Sie die Bookmark-Datei dort lagern.

Plattenplatz und Recovery-Partition
Die Festplattenkapazität auf RT-Tablets reicht typischerweise von 32 GB bis 128 GB. Da 16 GB allein Windows RT fordert und weitere 4 GB eine Recovery-Partition wegnimmt, sind die kleineren Platten schnell voll.
Die Idee, wenigstens die 4 GB der Recovery-Partition zurückzugewinnen, indem man sie auf einen USB-Stick verlagert, ist theoretisch möglich, aber für den geringen Ertrag viel zu aufwändig: Diese Partition muss erst mit Diskpart und „SetID“ und „Assign“ zugänglich gemacht werden. Danach kann über „Systemsteuerung –> Wiederherstellung –> Wiederherstellungslaufwerk erstellen“ ein bootfähiges USB-Medium mit Notfallsystem erstellt und dieses dann mit den Daten der Recovery-Partition aufgefüllt werden. Viel Aufwand für vier GB: Eine Micro-SD dieser Größe kostet fünf Euro – und der USB-Stick wäre auch nicht umsonst.

Windows RT als „Server“
Ein RT-Tablet hat keine Einschränkungen beim Zugriff auf Netzwerkfreigaben. Alle Windows- oder Samba-Freigaben stehen zur Verfügung. Die Verwendung der neueren Heimnetzgruppe ist ebenfalls vorgesehen, aber es funktioniert auch der Zugriff auf Kontenebene.
Andererseits darf das Tablet keine Daten im Netz freigeben. Dazu heißt es in den PC-Einstellungen unter „Heimnetzgruppe“ nur knapp, „mit dieser Windows-Edition können keine Inhalte mit der Heimnetzgruppe geteilt werden“, und nur der Zugriff auf andere PCs sei möglich.
Ein Blick mit der Dienste-Konsole „Services.msc“ in die laufenden Dienste zeigt, dass der maßgebliche „Server“-Dienst vorhanden und nur deaktiviert ist. Wenn Sie diesen doppelt anklicken, neben „Starttyp“ „Automatisch“ einstellen und dies „Übernehmen“, dann können Sie den „Server“ sofort „Starten“. Und danach verwenden Sie am einfachsten die Konsole „fsmgmt.msc“ („Freigegebene Ordner“). Unter „Freigaben“ und „Neue Freigabe“ geben Sie, wie von jedem Windows gewohnt, Ordner oder Laufwerke im Netz frei.

Windows RT_als_Server

RT-Tablets mit einem externen System booten
Natürlich lässt sich ein Windows-RT-Gerät auch mit einem externen System via USB booten. Vorgesehener Standardfall ist das Windows PE, das sich über „Systemsteuerung –> Wiederherstellung“ auf einem USB-Stick einrichten lässt. Ein purer Spaß ist das Ganze allerdings nicht: Über die „PC-Einstellungen –> Allgemein –> Erweiterter Start (ganz unten)“ und „Jetzt neu starten“ erscheint als eine Option „Ein Gerät verwenden“ und dort „Universal USB Class Boot“. Danach wird es lästig: Die Systemplatte ist Bitlocker-verschlüsselt und muss erst mal aufgesperrt werden. Dazu braucht es einen zweiten Rechner, über den man via Microsoft-Konto den Bitlocker-Wiederherstellungsschlüssel ermitteln kann. Der Vorgang wird durch relativ klare Anweisungen erleichtert, erfordert aber viel Eingabegeduld. Immerhin hat allein der Recovery-Key 48 Stellen, die man eintippen muss. Der Ablauf garantiert hohe Sicherheit für die Tablet-Daten, aber eine halbe Stunde lästige Arbeit.

 

Bitlocker-Wiederherstellungsschlüssel

Ein paar unentbehrliche Produktiv-Apps aus dem Windows-Store:

Notepad Classic statt einem klassischen Notepad am Desktop ist die pure Erholung…

MFTP ist als FTP-Client unentbehrlich, aber weder hübsch noch besonders komfortabel. Da ist noch detulich Luft nach oben…

Unpacker ist wichtig, weil er im Unterschied zu manchen anderen kostenlosen Apps auch verschlüsselte RAR-Archive entpackt. Optik und Bedienung könnten noch zulegen…

Toolbox zeigt mit zwei bis sechs Fenstern, was die Modern UI alles kann, ist aber derzeit nicht flexibel und funktional genug. Ich sehe keine Möglichkeit, eigene Apps einzubinden. Das Wenige, was geht, gibt die App selbst vor…

Der Windows-Explorer

Der Windows-Explorer ist nicht mit der Windows-GUI (Graphical User Interface) gleichzusetzen, auch wenn er wesentliche Komponenten der grafischen Oberfläche bereitstellt: die Taskleiste mit Start-Menü, die Ordnerfenster mit Such-, Filter- und Sortierfunktionen, die zugleich als Maus-optimierter Datei-Manager arbeiten, nicht zuletzt auch einen Drag & Drop-fähigen Desktop, der vielen Anwendern als zentrale Dateiablage dient. Unter Windows 8 sorgt der Explorer zusätzlich für den neuen Startbildschirm und die Modern UI.
Damit prägt der Windows-Explorer entscheidend die Optik und Bedienung, ist aber trotzdem nur eine im Prinzip austauschbare Software. Hardware, Netzwerk, Dateisystem funktionieren auch ohne ihn, und auch einige entscheidende GUI-Elemente sind, wie die Tabelle zeigt, unabhängig vom Explorer verfügbar.
Das technisch mögliche Ersetzen des Explorers ist aber trotz gewisser Überfrachtung, Intransparenz und Leistungsmängel bei simplen Dateiaktionen kaum verbreitet: Microsoft hat die Windows-User sehr erfolgreich auf den Explorer konditioniert, und alternative grafische Shells oder gar Kommandozeilen-Shells spielen unter Windows keine nennenswerte Rolle.

Explorer und Shell-Eigenschaften
Allgemeines
Shell-Definition unter
HKLM\Software\Microsoft\Windows NT\CurrentVersion\Winlogon
Shell-Prozesskontext
Benutzerkontext: Shell arbeitet mit den Rechten des aktuellen Users
Shell-Prozesstyp
Anwendungsprogramm mit normaler Priorität
Shell-Funktionen Windows-Explorer Alternative Shells
Programm-Starter
Start-Menü, Symbolleisten, Doppelklick
oft weniger komfortabel
Programm-Kontrolle
Taskleiste, Systray
fehlt
Datei-Manager
Dateiaktionen (lokal, Netz, FTP)
oft schneller und besser
Suche und Filter
Dateisuche, Index, Filter, Stapel
reduzierte Such-und Filteroptionen
Namespace-Ordner
Desktop, Papierkorb, Arbeitsplatz
oft darstellbar, aber nicht voll integriert
Kontextmenüs
für alle Dateiobjekte
theoretisch darstellbar, selten realisiert
Shell-unabhängig
<Strg>-<Alt>-<Del>
Windows-Grundfunktionen (u.a. Task-Manager, Abmelden)
<Win>-<L>
Computer sperren
<Alt>-<Tab>
Task-Umschaltung
<Strg>-<C>  etc.
allgemeine Clipboard-Funktionen
Globale Hotkeys
im Prinzip von jeder Software realisierbar
Drag & Drop
Programm-abhängig
Dateitypen-Erkennung
allgemein zugängliche Registry-Einstellungen
Design
Shell-unabhängiger Windows-Dienst
Hintergrundbild
Shell-unabhängig