Windows 8 und 10

Für den Raspberry Pi: Windows 10 IoT Core versus Linux

Linux läuft überall. Windows auch – meint Microsoft, nachdem 2015 das Mini-System Windows 10 IoT Core fertiggestellt wurde. Ich habe das System ausprobiert: Ob dieses Windows für das „Internet of Things“ auf einem Raspberry ernsthaft gegen ein Linux antreten kann, zeigt dieser Artikel:

Raspberry Pi: Windows Iot 10 gegen Linux.

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Bash-Shell für Windows 10

Ein ambitioniertes Microsoft-Projekt in Zusammenarbeit mit Canonical (Ubuntu Linux):
Bash on Ubuntu on Windows

Bash on Ubuntu on Windows
Bash on Ubuntu on Windows

Bemerkungen zu Windows 10

29.07.2015: Beeindruckend – das Upgrade von Windows 8.1 auf Windows 10 ist heute, am ersten Tag der Verfügbarkeit und bei gewiss ausgelasteten Microsoft-Severn, innerhalb einer guten Stunde erledigt. Hinterher ist alles an Ort und Stelle. Die vorher installierte Software funktioniert ausnahmslos, alle Einstellungen bleiben erhalten.
Die Suche nach Neuigkeiten ist weniger befriedigend: Ich habe jetzt zwei Microsoft-Browser (Edge und IE) auf dem System, die ich nicht brauche. Das Startmenü ist wieder prominent vorhanden – aber das brauche ich eigentlich auch nicht mehr. Einige altbekannte optische Anpassungsmöglichkeiten sind nicht mehr über „Systemsteuerung – Anpassung“ zu erreichen, sondern nach „Einstellungen – Personalisierung“, also in die Konkurrenz-Systemsteuerung der Modern UI gewandert. Kein großes Problem, aber doch irritierend.

Windows 10

Exzellent: Microsoft hat die Farbnuancen und Schriften aller Controls, Menüs, Explorer-Ribbon etc. überarbeitet. Keine bisherige Windows-Version bietet bessere Lesbarkeit und Übersicht. Die Kontraste sind zurückhaltend dezent, aber dennoch klar. Vielleicht entsteht der überaus positive Eindruck aber nicht zuletzt deshalb, weil der Vorgänger Windows 8 etwas kontrastarm ausfiel und man dort oft nicht auf Anhieb zwischen Titelleiste, Menübereich und Programmfenster unterscheiden konnte.

Ganz hübsch: Die eingebauten virtuellen Desktops, die sich durch ein neues Symbol („Task view“) in der Taskleiste aktivieren lassen. Dann erscheint am unteren Bildschirmrand eine Leiste mit den aktiven Desktops und der Option „Add a Desktop“. Zum schnellen Wechsel zwischen den Desktops gibt es zudem den Hotkey Strg-Win-Cursor rechts/links. Geht man nur auf das Symbol „Task view“, erscheint ein Übersicht aller aktiven Fenster, die sich automatisch passend skaliert (bei vielen Tasks werden die Übersichtsfenster entsprechend kleiner).

Ebenfalls neu: Das automatische Skalieren (Snap) der an den rechten oder linken Bildschirmrand gezogenen Fenster auf halbe Bildschirmgröße wird nun noch durch einen zweiten Service begleitet: In der zweiten Bildschirmhälfte erscheinen alle sonst noch geöffneten Fenster in verkleinerter Übersicht; mit einem Klick auf das gewünschte Fenster arrangiert sich dieses auf der anderen Bildschirmhälfte. Dieses Feature („Snap Assist“) kann sehr nützlich sein, da man ein Fenster gewöhnlich deshalb rechts oder links einrasten lässt, um ein zweites daneben zu arrangieren. Somit kommt die „Snap“-Funktion mit diesem Service erst zu sich selbst. Trotzdem wird die Funktion sicher wieder genervte Gegner finden.

Snap-Assistent zum schnellen anordnen zweier Fenster nebeneinander
Snap-Assistent (rechte Hälfte) zum schnellen Anordnen zweier Fenster nebeneinander, nachdem links ein Fenster angedockt wurde…

Dass die alte CMD.exe nun unter „Eigenschaften – Farben – Deckkraft“ optionale Transparenzeffekte erhält, ist zumindest kurios. Nachdem das auf Linux-Shells seit vielen Jahren üblich ist, kommt das Feature so spät, dass es fast blamabel wirkt. Ähnliches gilt für die Fähigkeit, die Standard-Hotkeys Strg-C/V/X zum Kopieren und Einfügen zu unterstützen. Diese optionale Funktion erscheint unter „Eigenschaften – Optionen – STRG-Tastenkombinationen“.

Das Kachelmenü ist standardmäßig komplett deaktiviert, lässt sich aber über „Einstellungen – Personalisierung“ auf Wunsch auch wieder reaktivieren. Die zusätzlichen Minikacheln der Modern Apps im ansonsten wieder klassischen Startmenü bomben ziemlich ins Auge und sind nicht unbedingt konzentrationsfördernd. Die Kachelgrößen lassen sich aber individuell anpassen, ferner ist auch das „Live“-Gezappel abschaltbar  („Live-Kachel deaktivieren“).

Das Startmenü enthält jetzt auch wieder die Optionen zum Ausschalten oder Energiesparen. Das provisorische und schmucklose Kontextmenü nach Rechtsklick auf den Startknopf, das Microsoft nach Benutzerklagen nachträglich in Windows 8 eingeführt hat, bleibt aber vorerst weiter bestehen. Auch hier gibt es die Abschaltfunktionen sowie diverse Systemkomponenten. Dieses Behelfsmenü ist neben dem zurückgekehrten Startmenü etwas redundant und kann im Prinzip wieder entfallen.

Die Apps der Modern UI, die bisher nur als Vollbild oder Drittel-/Zweidritel-Anzeige dargestellt wurden, verhalten sich unter Windows 10 wie klassische Fenster. Das heisst: Man kann sie skalieren (nicht beliebig klein, aber immerhin) und über die rechten Controls der Titelleiste beenden, minimieren, maximieren.

Mini-Menü in der Titelleiste der Modern Apps ersetzen die Charms-Leiste.
Mini-Menü in der Titelleiste der Modern Apps ersetzen die Charms-Leiste.

Die Charms-Leiste hat unter Windows 10 bei Installation auf PCs offenbar schon wieder ausgedient.

Die Tooltips waren schon bisher meist eher Belästigung als Info: Unter Windows 10 erhalten sie recht knallige Farben. Übersehen kann man sie damit nicht mehr, aber das macht sie noch ein Stück nerviger:

Tool-Tipps unter Windows 10
Tool-Tipps unter Windows 10
Windows 10 Technical Previewvom Oktober 2014
Windows 10 Technical Preview, November 2014

 

Offizielles Windows-8-Logo
Offizielles Windows-8-Logo

 

Windows 8

Das Betriebssystem Windows 8 war Nachfolger von Windows 7 und wurde seit Oktober 2012 vertrieben. Technisch abgeschlossen wurde das System mit dem RTM (Release to Manufacturer) vom 15. August 2012.

Im Unterschied zu Windows 7 und allen Vorgängern bedient Version 8 zwei sehr unterschiedliche Geräteklassen gleichermaßen: den traditionellen PC mit Maus und Tastatur und den Tablet-PC mit Touchscreen. Neben dem vertrauten Windows-Explorer als Bedienerschnittstelle bietet Windows 8 die neue (und mit lautem Trommeln angekündigte) Bedienerführung Metro (Modern UI). „Immersive“ (eintauchend) ist die Marketing-Vokabel für die neue Oberfläche, die Microsoft bis in das Dateisystem und in die Registry von Windows 8 penetriert.

Die Einführung einer einheitlichen Oberfläche für alle Geräte war Microsoft 2012 so wichtig und dringend, dass in der Eile so manche Ungereimtheit in Kauf genommen wurde. Der Bruch zwischen altem Windows-Desktop und moderner Oberfläche war in Windows 8 besonders deutlich, wo der Benutzer zwischen alter „Systemsteuerung“ und modernen „PC-Einstellungen“ munter hin- und hergeschickt wurde. Das Leiden besteht unter Windows 10 unverändert weiter .

Betriebssystem oder Vertriebssystem? Windows wurde zunächst zu verdächtig günstigen Preisen auf den Markt geworfen. Unschlagbar etwa das zeitlich begrenzte Upgrade Offer für schlappe 15 Euro für das Upgrade von Windows 7 Home (!) auf Windows 8 Pro (!), sofern die W7-Lizenz im zweiten Halbjahr 2012 erworben wurde. Aber auch das Upgrade alter Lizenzen (ab XP !) lag zwischen sozialverträglichen 30 und 55 Euro – je nachdem, ob sich der Käufer  innerhalb des Aktionszeitraums bis Ende Januar entscheidet oder erst später (siehe dazu den Beitrag „Aus für XP und Windows 7?“).

Das hatte seinen Grund: Windows 8 sollte eine neue Konsum-Plattform werden. Vor allem die neuen Modern Apps und der Store sind auf Microsofts neues Geschäftsmodell getrimmt. Eine Musik-App ist eben keine neutrale Mediaplayer-Software mehr, sondern zugleich Eintrittskarte zum Musik Store. Gleiches gilt für die Video App und natürlich für den Windows Store.

Die technische Basis blieb gegenüber den Vorgängern Windows Vista und Windows 7 weitgehend erhalten (interne Versionsnummer 6.2). Aber Windows 8 erhielt eine zweite Oberfläche und eine Runtime für Metro-/Modern UI-Apps, ferner eine ganze Reihe nennenswerter Detailverbesserungen.

Windows-8-Desktop
Windows 8 kennt weiterhin den klassischen Desktop. Die links einblendbare Seitenleiste wechselt bequem zu aktiven Metro-Apps.

Windows 8 bot eine Reihe technischer Neuerungen gegenüber dem Vorgänger Windows 7. Auffälligste Umstellung – die GUI im Metro-Design. Die neue Oberfläche mit Kachel-Optik sollte Windows 8 für Tablet-PCs mit Touchscreen optimieren. Metro/Modern UI, die „immersive shell“, ist die neue Windows-Plattform, die neben den bisherigen Windows-Desktop tritt. Speziell erstellte Apps und Anwendungen (Werkzeuge und Styles dafür bietet Microsoft den Entwicklern kostenlos an) erscheinen am neuen Startbildschirm als Kacheln mit aktivem Inhalt (neue Mail, neues Wetter und was sonst noch alles neu sein kann). Eine Cloud-Lösung mit Push-Technik minimiert dabei die CPU-Auslastung. Nach dem Aufruf präsentieren sich die neuen Apps Programme grundsätzlich im Vollbild mit typisch reduzierten und Touch-optimierten Bedienelementen. Der Modern-UI-Startbildschirm startet aber auch konventionelle Programme und schaltet dazu um auf den normalen Windows-Desktop. Für die Benutzung am konventionellen PC ist jederzeit manuelles Umschalten per Windows-Taste in den Desktop-Modus möglich.

PC-User schalten per Tastendruck (Win-Taste oder Win-D) auf die gewohnte Oberfläche.
PC-User schalten per Tastendruck (Win-Taste oder Win-D) auf die gewohnte Oberfläche.

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